Samstag, 5. April 2003

Italien: Streit um Wechsel an Mediobanca-Spitze

  • Präsident Maranghi könnte Rücktritt verweigern
  • Neue Corporate Governance Regeln sollen eingeführt werden

Die Mailänder Investmenbank Mediobanca bereitet sich auf die entscheidende Versammlung der Hauptaktionäre am kommenden Montag im Mailand vor, bei der ein Wechsel an der Spitze des Instituts in die Wege geleitet werden soll. Italienische Medien bezweifelten am Samstag jedoch, dass Mediobanca-Präsident Vincenzo Maranghi, der wegen seiner intransparenten Politik stark unter Druck geraten ist, freiwillig seine Demission einreichen wird. Nicht auszuschließen sei, dass die Hauptaktionäre Maranghi zum Rücktritt zwingen werden müssen.

Maranghi ist mit den Banken Unicredito und Capitalia in Konflikt geraten, die ihn beschuldigen, Machtspiele zu betreiben und nicht die für einen Finanzier notwendige Dienstbereitschaft gegenüber der Firmenkundschaft aufzuweisen. Unicredito zählt mit der römischen Capitalia zu den Mediobanca-Hauptaktionären. In den vergangenen Monaten hatte sich Maranghi in der italienischen Finanzwelt unbeliebt gemacht, weil er mit dem Kauf von einem Drittel der Ferrari-Anteile anderen Instituten wie zum Beispiel Unicredito die sicher geglaubten Provisionen für die Börsenplatzierung des Sportwagenherstellers weggenommen hatte.

Ex-Fiat-Geschäftsführer soll kommen
Unicredito und Capitalia wollen Maranghi mit dem ehemaligen Fiat-Geschäftsführer Gabriele Galateri di Genola ersetzen. Einen dementsprechenden Pakt handelten die beiden Kredithäuser mit den anderen Hauptaktionären der Mailänder Investmentbank aus. Dank ihrer Offensive sollen neue Corporate Governance Regeln bei Mediobanca eingeführt werden. Capitalia und Unicredito werden demnach ihre Mediobanca-Anteile von derzeit 8,4 und 7,9 Prozent auf höchstens sechs Prozent reduzieren und damit ihre Führungsposition im Aktionärspakt abschwächen, der 46,9 Prozent an der Investmentbank hält.

Die Anteile sollen an Institute verkauft werden, die sich "nicht in einer Konfliktsituation mit Mediobanca" befinden, heißt es in einer Mediobanca-Presseaussendung. Gleichzeitig soll das Aktionärsbündnis auch auf eine Gruppe ausländischer Investoren um den bretonischen Finanzier Vincent Bollore erweitert werden.

Aussichtlose Verteidigungsstrategie
Laut italienischen Medien könnte Maranghi jedoch Widerstand leisten und am Montag nicht freiwillig seinen Rücktritt einreichen. In diesem Fall müssten ihn die Hauptaktionäre entlassen. Nach Angaben italienischer Experten ist Maranghis Verteidigungsstrategie jedenfalls aussichtslos. Seine Ära an der Spitze der einflussreichsten italienischen Investmentbank ist zu Ende.

5.4.2003 13:24