Montag, 31. März 2003

Irak-Krieg & SARS: Airbus & Boeing sind unter Druck

  • Turbulenzen bei Airlines wirken sich auf Flugzeugbauer aus

Der Irak-Krieg zieht die Luftfahrtbranche noch tiefer in die Krise. Bei den großen Fluggesellschaften häufen sich die Hiobsbotschaften und verdüstern die Aussichten für Airbus und Boeing. Die beiden dominierenden Flugzeugbauer müssen sich Branchenstudien zufolge auf schlimmste Szenarien einstellen, nachdem nicht nur die ums Überleben kämpfenden US-Airlines ihre Flugpläne und Kapazitäten zusammenstreichen. Auch die führenden europäischen Fluggesellschaften haben begonnen, kräftig den Rotstift bei Investitionen und Beschäftigung anzusetzen.

Als zweiter großer Unsicherheitsfaktor droht nun die sich vor allem in Asien ausbreitende gefährliche Lungenkrankheit SARS auf die Langstrecken-Buchungen durchzuschlagen. In diesem schwierigen Umfeld für die Luftfahrtindustrie lief der asiatische Markt bisher noch am besten. Er gilt jetzt aber als gefährdet, heißt es in der Branche.

"Es liegen ganz eindeutig harte Zeiten vor uns", warnte British Airways-Chef Rod Eddington. "Nach dem 11. September waren die großen Airlines am Boden und jetzt sacken die Ergebnisprognosen bereits wieder ab", befürchten Marktbeobachter. Nach Auffassung von Branchenkennern könnte der Rückgang der Passagierzahlen auf Interkontinentalflügen sich auf rund 20 Prozent ausweiten, da sich der Irak-Krieg augenscheinlich länger hinzieht.

Lufthansa verkleinert Langstreckenflotte
Nicht nur British Airways, auch die Deutsche Lufthansa und Air France reduzieren ihre Dienste. Die Deutsche Lufthansa verkleinert ihre Langstreckenflotte um sieben Maschinen. Air France hat angekündigt, bestellte Flugzeuge zum Teil erst später abzunehmen. So soll Airbus 7 Mittelstreckenjets der A318/A320-Familie nicht wie geplant in diesem Herbst, sondern erst 2005 liefern.

Das US-Investmenthaus Merrill Lynch hält dies für ein Alarmzeichen: Die Entscheidung "spiegelt symptomatisch die Krise der Flugzeugindustrie wider. Die Passagierzahlen sinken, und die Unsicherheiten auf Grund des Irak-Krieges nehmen zu". Nach Einschätzung von Arthur D. Little reagieren die großen Airlines dieses Mal anders als im Golfkrieg von 1991. Während sie damals ihre Passagierzahlen durch niedrige Preise halten wollten, reduzierten sie jetzt ihre Kapazitäten und versuchten, die Preise zu erhöhen.

Rückgang bei Auslieferungen um 20 bis 30 %
Damit könnte der zu verteilende Auftragskuchen für Airbus und Boeing deutlich kleiner ausfallen als zuvor erwartet. Die beiden Hersteller rechnen nach ihren bisherigen Prognosen in diesem Jahr auf ihrem Markt für größere Passagierflugzeuge (mehr als 100 Sitze) mit 580 Auslieferungen, 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Aber infolge des Irak-Kriegs sei nunmehr ein drastischer Rückgang von 20 oder 30 Prozent möglich, heißt es in einer Analystenstudie.

Airbus und Boeing halten bisher hartnäckig an ihren Prognosen fest. Beim europäischen Flugzeugbauer in Toulouse wird bekräftigt: "Unser Programm für 2003 ist unverändert." Und mit Air France spreche man nur über die "Perspektiven für 2004". Airbus will in diesem Jahr 300 Flugzeuge an Kunden übergeben. Merrill Lynch rechnet mit 288 Auslieferungen. Damit würde Airbus aber noch wie geplant erstmals den US-Rivalen Boeing übertrumpfen, der selbst von 280 Passagierflugzeugen ausgeht.

Airbus-Chef Noel Forgeard hatte jedoch schon Anfang des Jahres gewarnt: "Nur ein Krieg von kurzer Dauer hätte keine Auswirkungen." Und auch Boeing-Chef Phil Condit betonte erst kürzlich bei seinem Besuch in Berlin, der Konzern halte seine Prognose ein, "vorausgesetzt, es wird ein kurzer Krieg".

31.3.2003 12:28