Sonntag, 6. April 2003

Daum: "Phase des Erklärens und Redens ist vorbei"

  • Für Austria beginnt im Cup-Duell mit Sturm neue Zeitrechnung
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Seine Kieferoperation wäre ein Klacks gewesen im Schmerz-Vergleich mit der 0:2-Blamage am Samstag gegen Schlusslicht Admira Mödling, gestand Austria-Trainer Christoph Daum am Montag mit Abstand zum Geschehenen. "Wir hatten 24 Stunden Zeit zum Ausrasten und Ärgern. Doch nun müssen wir all unsere Energie für den Pokal bündeln", sagte der Deutsche vor dem Schlager im Cup-Viertelfinale am Dienstag Abend im Horr-Stadion gegen Sturm Graz und rief für seine Truppe gleichzeitig eine neue Zeitrechnung aus.

Die Zeit des Erklärens und Redens sei endgültig vorbei, ab nun werde gegebenenfalls nur noch gehandelt. Der Austria-Feldherr appelliert quasi unter dem Motto "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren" an die Einstellung sowie Berufsehre und -auffassung seiner Akteure. "Sie müssen mit Leistung zeigen, dass sie mit uns eine gemeinsame Zukunft wollen. Nur wer sich mit 100 Prozent für die Ziele des Vereins einsetzt, kann sich das Schlaraffenland namens Austria in Zukunft erhalten", spricht Daum Klartext. Daher fordert er für Dienstag eine entsprechende Reaktion auf dem Platz.

"Achter-Bahn-Mannschaft"
Das Fahrstuhl-Verhalten einiger Austrianer "kotzt" nicht nur die Fans, sondern jetzt auch schon ihn selbst an. "Das kann doch nicht Sinn und Zweck einer Profi-Mannschaft sein, dass es nur mit Zuckerbrot und Peitsche geht. Mit einer Achter-Bahn-Mannschaft werde ich nicht zusammenarbeiten", droht Daum mit deutlichen Worten. Die Austria würde nur dann zu ihrer spielerischen Linie finden, wenn alle an die Grenze gingen. "Ich verteufle keinen Spieler, doch kritische Worte müssen sein, ohne diese darf man nicht zur Tagesordnung übergehen."

Daum in einigen Bereichen desillusioniert
Der Deutsche mit 18-jähriger Erfahrung im Spitzenfußball ist Anfang Oktober 2002 als großer Optimist in Favoriten angetreten, doch wurde er seither in "einigen Bereichen desillusioniert". "Ich habe es mir nicht leicht vorgestellt, sondern vielmehr geglaubt, dass die Mannschaft schon weiter ist. Die Situation hier sei ähnlich schwierig wie während seiner Arbeit in der Türkei. "Dort sind einige Leute mehr mitgezogen. Rund um die Austria und über die Grenzen Wiens hinaus gibt es mehr Widerstand und Bremser als dort", sagt der Schachner-Nachfolge.

"Jetzt erst recht"
Auf die Frage, ob er den Gang nach Österreich und zu den Veilchen bereut habe, antwortete er ganz energisch: "Ein Christoph Daum gibt nie auf, für ihn zählt nur eines: Jetzt erst recht". Und er wäre froh, wenn Flögel, Wagner und Co nur 50 Prozent seines Kampfgeistes am Dienstag im Cup zeigen. "Denn die würden zum Aufstieg reichen." Der Trainer glaubt, dass die Probleme gemeinsam gelöst werden. Er möchte in seiner Interessens-Gemeinschaft für ein gemeinsames Ziel auch ein Identifikationsgefühl aufbauen.

Konsequenzen für Michael Wagner?
Peter Svetits an seiner Seite bezeichnete der Deutsche als Glücksfall. "Peter hat im Klub einen Quantensprung eingeleitet und er besitzt sehr gute Kontakte zum internationalen Fußball", lobte Daum den Sportdirektor. Die Kritik von Austria-Finanzier Frank Stronach an der schwachen Leistung der Mannschaft kann er natürlich verstehen. "Stronach hat das Recht, alles zu sagen. Ohne ihn müsste man hier zusperren." Eine andere Aussage, jene von Kapitän Michael Wagner (Das ewige Gerede vom Gehen und Holen von Spielern nehme die Mannschaft gar nicht mehr ernst), wird Svetits nicht unwidersprochen hinnehmen.

6.4.2003 13:51