Sonntag, 6. April 2003

Formel-1-Piloten plädieren für Regeländerungen

  • Zwei Regenreifen und anderes Qualifying gefordert

Schon beim dritten Rennen der Saison äußert sich der Unmut der Formel-1-Piloten über die neuen Regeln. Vor allem die Reifen-Regelung stößt seit den "Wasserspielen" beim freien Training in Sao Paulo auf heftigen Widerstand. Auch der neue Qualifying-Modus ist nicht besonders beliebt.

"Ich hoffe, dass die Teamchefs bei ihrem Treffen einiges überdenken", sagte Weltmeister Michael Schumacher, einer der Sprecher der Fahrervereinigung GPDA, in Sao Paulo. Positiv bewerteten der Ferrari-Star und seine Kollegen die Verschiebung des Verbots elektronischer Fahrhilfen auf das nächste Jahr.

Problem Regenreifen
Am lautesten äußerten die Piloten ihren Unmut über die Regenreifen. Nachdem sie im freien Training am Freitag bei den "Wasserspielen" auf der überfluteten Strecke mehr geschwommen als gefahren waren, initiierten die GPDA-Vertreter eine Unterschriften- Aktion und wurden bei Renndirektor Charlie Whiting vorstellig. "So ein Problem kann man mit einem zweiten Regenreifen lösen", schlug Schumacher als Ausweg vor. Eine Wetterbesserung verhinderte möglicherweise einen kleinen Aufstand.

Nach dem neuen Regelwerk ist nur noch ein Typ Regenreifen erlaubt. Dieser ist nach Erkenntnis der Piloten für extrem starken Regen nicht geeignet. Vor dieser Saison konnten die Teams zwischen zwei Modellen wählen: den so genannten Intermediates für leichten Regen und abtrocknende Piste sowie den klassischen Regenreifen mit einem wesentlich tieferen Profil. "Es gibt keine richtigen Regenreifen mehr", klagte Nick Heidfeld. "Die jetzigen sind eher Intermediates, da sie geschwindigkeitsmäßig direkt anknüpfen müssen, wenn es mit dem Trockenreifen nicht mehr geht."

Problem Qualifying
Kein Ei des Kolumbus ist nach überwiegender Meinung auch das neue Qualifikationssystem. Jetzt entscheidet nur noch eine schnelle Runde pro Fahrer am Samstag über die Startaufstellung zum Grand Prix. Davor hatten vier Versuche Spannung bis zur letzten Sekunde garantiert. Da die Rennwagen nach dem Qualifying nicht mehr getankt und umgebaut werden dürfen, entscheidet neben dem Zufallsfaktor Wetter auch die Spritmenge über Pole-Position und Platzierungen. "Ich vermisse das Gefühl, das Auto bis ans Limit puschen zu können und dieses Limit während des Trainings hinauszuschieben", klagte David Coulthard.

Sollte beim Treffen der Teamchefs mit Max Mosley, dem Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes FIA, am 17. April in Imola nur eine Regel verändert werden, wünschte sich Juan Pablo Montoya: "Ich würde das Qualifying ändern." Michael Schumacher plädierte für mehr Arbeitszeit am Auto: "Nach dem Qualifying sollte am Rennwagen gearbeitet werden dürfen, um ihn für den Grand Prix optimal abstimmen zu können." Jetzt sei der Wettkampf nicht mehr so spannend wie in der Vergangenheit.

Elektronische Fahrhilfen erst ab 2004 verboten
Ein Lichtblick ist für die Fahrer, dass Traktionskontrolle, Startautomatik und automatisches Getriebe nun erst 2004 auf den Index kommen. Die FIA kippte vor gut zwei Wochen ihren Plan, diese elektronischen Fahrhilfen schon beim britischen Grand Prix in Silverstone Mitte Juli zu verbieten.

6.4.2003 14:20
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