Donnerstag, 3. April 2003

Formel-1-Diskussion: Bald keine Regenrennen mehr?

  • Brasilien-GP nach Crashes abgebrochen / Räikkönen siegt
  • PLUS: Alles über das Formel-1-Wochenende in Sao Paulo!

Der Große Preis von Brasilien entwickelte sich zum absoluten Chaos-Rennen: Die Regenschlacht von Sao Paulo gipfelte nach Horror-Crashes von Mark Webber und Fernando Alonso in einem Renn-Abbruch. Der Sieg ging an Kimi Räikkönen vor Giancarlo Fisichella und dem Bruchpiloten Alonso. Und jetzt wird heftig diskutiert: Hätte das Rennen nicht gestartet werden sollen - oder früher abgebrochen? Soll's gar keine Regenrennen mehre geben? Sagen Sie uns Ihre Meinung (siehe rechts)!

In einem völlig verrückten Rennen in Brasilien ist am Sonntag die Formel-1-Erfolgsserie von McLaren fortgesetzt worden. Der Finne Kimi Räikkönen siegte in Interlagos, sorgte für den dritten Sieg der "Silberpfeile" im dritten Saison-Rennen und baute seine Führung in der WM-Wertung auf elf Punkte aus. Nach eineinhalb Stunden voller Safety-Car-Phasen, Aus- und Unfällen folgten hinter Räikkönen der Italiener Giancarlo Fisichella (Jordan), der Spanier Fernando Alonso (Renault) sowie der Schotte David Coulthard (McLaren).

Auto-Friedhof
Nach endgültigem Abbruch des Rennens in der 55. Runde nach einem schweren Unfall des Australiers Mark Webber (Jaguar) glich das "Autodromo Jose Carlos Pace" einem Auto-Friedhof. Für Ferrari endete das Heimrennen von Rubens Barrichello bei starkem Regen mit einem Debakel und dem ersten Doppel-Ausfall seit 30. August 1998 (Belgien-GP) bzw. 72 Rennen.

Ferrari-Nullnummer
Weltmeister Michael Schumacher, eigentlich als "Regenkönig" bekannt, sah nach seinem Out in Runde 27 erstmals seit dem 29. Juli 2001 (Hockenheim) nicht das Ziel und Lokalmatador Barrichello schied vor enttäuschtem Heimpublikum in Führung liegend in der 47. Runde zum zehnten Mal im elften Anlauf in seinem "Kinderzimmer" aus. Zum bis Sonntag letzten Mal ohne WM-Zähler war die "Scuderia" am 26. September 1999 auf dem Nürburgring (Europa-GP) geblieben, als Eddie Irvine Siebenter geworden war.

Fisichella freute sich zu früh
Unmittelbar nach dem Abbruch des 700. Grand Prix der Geschichte jubelte der in der 55. Runde voran gelegene Fisichella überschwänglich über seinen ersten Sieg beim 110. Start, der Italiener und der Jordan-Rennstall (200. Grand-Prix) hatten sich aber zu früh gefreut. Denn es zählte der Zwischenstand nach 53 Runden, und da hatte Räikkönen die Nase vorne gehabt. So hat der Finne nach seinem zweiten Sieg in Serie (Malaysia und Brasilien) bereits 26 Zähler auf dem Konto, elf mehr als sein zweitplatzierter Teamkollege Coulthard.

Alonso kam glimpflich davon
Der sowohl in Brasilien als auch in der WM-Wertung drittplatzierte Alonso musste der Siegerehrung fern bleiben, denn der Spanier war Opfer der herumliegenden Autoteile nach dem Webber-Unfall geworden und musste mit der Rettung von der teilweise überschwemmten Rennpiste abtransportiert werden, blieb aber bei diesem Horror-Crash zum Glück ohne ernsthafte Verletzungen.

"Froh, dass das Rennen vorbei ist"
"Vielleicht ist der Sieg etwas glücklich, aber Sieg ist Sieg. Es war ein schwieriges Rennen mit einer Safety-Car-Phase nach der anderen", meinte der "Iceman" Räikkönen, bei dem sich der Jubel angesichts der bösen Unfälle nach dem Abbruch in Grenzen hielt. Wie auch bei Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug: "Wir haben einen Riesenschrottplatz hier gesehen. Ich bin froh, dass das Rennen vorbei ist."

Schumi sauer auf sich selbst
Weltmeister Schumacher, zuletzt in 24 Rennen in Folge ins Ziel und immer in die Punkte gekommen, nahm voller Ärger das Out auf seine Kappe: "Der Unfall geht im Prinzip auf mich. Ich bin in der Gischt von Coulthard gefahren und habe das Aquaplaning nicht gesehen. Am meisten ärgert mich aber, dass meine Zuverlässigkeit in die Brüche gegangen ist." Der Deutsche wollte aber trotz nur acht Zählern auf dem Konto keine Panik aufkommen lassen. "Es ist noch früh in der Saison. Ich bin immer noch ziemlich relaxed", erklärte der fünffache Champion, der bereits 18 Zähler Rückstand auf Räikkönen aufweist.

Start hinter dem Safety Car
Das Rennen hatte wegen der heftigen Regenfälle mit 15 Minuten Verspätung begonnen. Erstmals seit dem Grand Prix von Belgien 1997 fuhr vom Start weg das Safety Car aus Sicherheitsgründen vor dem Feld. Erst nach acht Runden gab das Sicherheitsauto die Strecke frei. Den fliegenden Start nutzten die Silberpfeile am besten. Coulthard schoss an dem aus der Pole-Position startenden Barrichello vorbei, auch Williams-BMW-Pilot Juan Pablo Montoya kam bis auf Rang drei vor. Räikkönen arbeitete sich aber in der Folge schnell nach vorne und übernahm in der 16. Runde nach einem packenden Duell die Führung von Coulthard.

Pech für Fisichella
Hinter ihnen startete Michael Schumacher eine Aufholjagd. Von Platz sieben, seiner schlechtesten Startposition seit dem Grand Prix von Deutschland 1998, fuhr er bis auf den dritten Platz vor. Doch die Jagd endete jäh im Reifenstapel. Danach wechselte ständig die Führung. In der 44. Runde jubelten die brasilianischen Fans, als Barrichello an die Spitze fuhr. Doch drei Runden später kam das Aus und ganz Motorsport-Brasilien weinte. Der Weg schien frei für die Silberpfeile. Überraschend zog dann aber Fisichella in der 54. Runde an Räikkönen vorbei. Doch der Abbruch des Rennens vereitelte den ersten Sieg für den Italiener.

3.4.2003 11:57
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