Samstag, 5. April 2003

Melzer holt im Daviscup entscheidenden Punkt

  • Sieg im Fünfsatz-Krimi gegen Finnlands Ketola
  • Österreich gewinnt mit einem Gesamtscore von 3:2

Österreichs Daviscup-Team spielt im September (19.-21.) um den Aufstieg in die Weltgruppe. Jürgen Melzer hat am Sonntag das entscheidende Einzel des Länderkampfes der Europa/Afrika-Zone I (2. Runde) gegen Finnland in St. Anton in fünf Sätzen für sich entschieden. Der 21-jährige besiegte Tuomas Ketola nach 3:28 Stunden mit 7:6 (2),3:6,6:7 (6),6:2,6:2 und fixierte damit den 3:2-Endstand.

Zuvor hatte Stefan Koubek das Duell der beiden Top-Spieler gegen Jarkko Nieminen glatt mit 3:6,2:6,3:6 verloren.

Melzer siegt!
Jürgen Melzer hat am Sonntag im Schlusseinzel des Daviscup-Länderkampfs Österreich-Finnland seinen wohl wichtigsten Sieg gefeiert: Der 21-jährige Niederösterreicher, der einen 1:2-Satzrückstand noch in einen Sieg verwandelte, merzte damit die Schlappe von Stefan Koubek gegen Jarkko Nieminen aus. Österreich kämpft damit im September um die Rückkehr in die Weltgruppe.

Chance auf Sprung unter Top 16
Österreichs Tennis könnte damit 2004 erstmals seit vier Jahren wieder unter den 16 besten Nationen dieser Weltsportart vertreten sein. Dem ÖTV winkt für die Auslosung der World-Group-Playoffs am Mittwoch ein weiteres Heimlos: Geht man davon aus, dass die acht Erstrunden-Verlierer des diesjährigen Bewerbs gesetzt sein werden, dann wäre Österreich gegen Rumänien, Großbritannien, Brasilien, Belgien und Tschechien Gastgeber, Auswärtsspiele gäbe es gegen die USA und Deutschland. Einzig gegen die Niederlande müsste das Los entscheiden.

"Nachdem ich den dritten Satz verloren hatte, habe ich gewusst: Es gewinnt nur der, der das mehr will. Ich habe nur Angst gehabt, dass ich Krämpfe kriege", meinte ein überglücklicher Melzer, der am Freitag im fünften Satz gegen Nieminen von Krämpfen gehandicapt war. "Für mich ist es das Größte, im Daviscup zu spielen", sagte der 21-Jährige aus Deutsch Wagram, der mit der Last, erstmals bei einem 2:2-Zwischenstand spielen zu müssen gut zurechtgekommen ist. "Es ist schön, dass wir einen Österreicher haben, der bei so einem Stand reinlaufen kann und die Kohlen aus dem Feuer holt", war auch Daviscup-Kapitän Günter Bresnik erleichtert.

Das Entscheidungsmatch verlief - wie so oft im Daviscup - enorm spannend. Ohne Serviceverlust ging es gleich im ersten Satz ins Tie-Break, dass Melzer souverän mit 7:2 für sich entschied. Doch Ketola, nur die Nummer 182 der Welt, zeigte Kampfgeist und schaffte den Satzgleichstand. Ebenfalls spannend dann Satz drei: Der Niederösterreicher vergab bei 6:5 zwei Satzbälle und musste erneut ins "Jeu decisif". In diesem wehrte er bei 4:6 zwar zwei Satzbälle ab, darunter ein Doppelfehler Ketolas, doch der Finne holte den Satz mit 8:6.

Wer nun erwartete, dass Ketola die Partie zu seinen Gunsten entschieden hat, wurde glücklicherweise eines Besseren belehrt: Ketola wurde immer müder, Melzer gelang gleich im Eröffnungsgame des vierten Satzes endlich das erste Break gegen den Finnen. Nach nur 28 Minuten stellte Melzer den Satzgleichstand her. Im fünften Satz war das Rebreak zum 1:1 für Ketola dessen letztes Aufflackern, danach war er chancenlos und dem körperlich stärkeren Melzer klar unterlegen. Am Ende hatte Melzer nicht weniger als 27 Asse geschlagen und ein Zeugnis seiner nervlichen Reife abgelegt.

Koubek erschüttert über Niederlage
Zuvor war ein inferiorer Stefan Koubek ("Ich hätte mich danach am liebsten eingegraben") im Duell der beiden Nummern eins völlig chancenlos gewesen und musste nach nur 91 Minuten vom Platz gehen. "Ich habe ihn noch nie so schlecht spielen sehen", war auch Daviscup-Kapitän und Koubek-Betreuer Günter Bresnik enttäuscht. Koubek war völlig ratlos. "Er war auch auf der Bank die ganze Zeit verzweifelt und hat kein Mittel gefunden, um da rauszufinden. Seine Rückhand war katastrophal, auch der Aufschlag war abgesehen vom ersten Game schlecht", so Bresnik.

Der 26-jährige Kärntner war zwar vom Ergebnis her chancenlos, hätte aber bei einer gewissen Konstanz sicher mehr Chancen gehabt. So sahen es nicht nur einige Beobachter, sondern auch Teamkollege Julian Knowle. "Am Anfang hat Stefan zu viel riskiert, wenn er so gespielt hätte wie am Schluss, wäre es besser gewesen, denn Nieminen war körperlich nicht fit." Nieminen hat sich mehrmals an die Beine gegriffen und war offenbar noch von den Spielen am Freitag und Samstag ausgelaugt. Koubek erhöhte übrigens auch in seiner persönlichen Bilanz an diesem Wochenende im "Schläger-Zerstören" auf zwei.

Österreich - Finnland 3:2

Freitag:
Stefan Koubek - Tuomas Ketola 7:5,4:6,7:6 (3),6:1
Jürgen Melzer - Jarkko Nieminen 6:7 (5),6:4,4:6,6:4,4:6

Samstag:
Julian Knowle/Alex Peya - Ketola/Nieminen 2:6,6:4,7:6 (4),7:5

Sonntag:
Koubek - Nieminen 3:6,2:6,3:6
Melzer - Ketola 7:6 (2),3:6,6:7 (6),6:2,6:2

5.4.2003 16:46
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