Freitag, 4. April 2003

Wasser & Medikamente fehlen: Wenn Alliierte rasch helfen, werden sie die Herzen der Iraker erobern

  • "Chaotische Situation" & Plünderung erschweren Reorganisation
  • Mangel an sauberem Wasser ist großes Problem

Sauberes Wasser, Reparatur zerbombter Leitungen, Wiederaufbau der Stromversorgung, Medikamente und Nahrungsmittel - die Menschen im Irak sind die Not leidenden Opfer dieses Krieges! Für internationale Hilfsorganisationen ist es sehr schwierig, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Dabei ist es laut Experten gerade jetzt - nach dem Sturz von Saddam Hussein - ganz besonders wichtig, dass RASCH geholfen wird! Denn nur wer rasch hilft wird die Herzen der Iraker erobern. Und nicht als Besatzer sondern als Befreier gelten.

Seit der Zunahme der Kämpfe in Bagdad hatte das IKRK sein Engagement im Irak, das es als einzige Organisation noch mit Ausländern wahrnahm, eingeschränkt. Das IKRK kümmert sich vor allem um die Versorgung von Spitälern und die Wiederherstellung der Wasserversorgung.

Die Lieferung sauberen Wassers ist derzeit das Hauptproblem im Irak. Die Weltgesundheitsorganisation WHO steht in Jordanien mit 23 Geräten bereit, mit denen die Wasserqualität getestet werden kann, sagte WHO-Sprecher Ian Simpson. "Die Lage in den Krankenhäusern ist schlimmer geworden, weil sich nichts ändert." Sauberes Wasser werde in den vollbelegten Spitälern dringend für Operationen gebraucht. "Wir warten darauf, in den Irak fahren zu können, aber diese Entscheidung wird auf der Ebene der Vereinten Nationen gefällt."

Der Zugang zu sauberem Wasser ist derzeit in nur ganz wenigen Regionen möglich. Um den Ausbruch von Cholera oder Durchfallerkrankungen zu verhindern, müsse die Wasserqualität unbedingt getestet werden, erklärte die WHO. Dazu hält die Organisation weitere 36 Notfalleinheiten ebenfalls in Jordanien bereit, die aus jeweils einer Tonne mit Arzneien und medizinischem Gerät bestehen. Mit einer Einheit können 10 000 Menschen bis zu drei Monate lang versorgt werden.

UNICEF warnt seit Tagen, dass vor allem Kinder im Irak durch Wassermangel und Krankheiten bedroht sind. UNICEF-Helfer berichten, dass die gefährlichen Durchfallerkrankungen bei Kindern im Süden des Landes zunehmen. Schon vor dem Krieg litt jedes irakische Kind durchschnittlich 15 Mal pro Jahr an Durchfall, teilte die deutsche UNICEF-Sektion am Mittwoch in Köln mit. Erkrankungen, die durch verschmutztes Wasser hervorgerufen werden, seien Todesursache Nummer eins bei irakischen Kindern, jedes achte Kind sterbe vor seinem fünften Geburtstag.

Die Europäische Union gibt 9,5 Millionen Euro für humanitäre Hilfe im Irak. Das Geld dient der Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Ausrüstung vor allem in den Kriegsgebieten im Süden des Irak. Auch Großbritannien stockte neben der Kriegskasse seine Nothilfe für den Irak kräftig auf. Im Budget für 2004, de n Finanzminister Gordon Brown am Mittwoch in London vorstellte, sind 240 Millionen Pfund (348 Mill. Euro) für die humanitäre Hilfe vorgesehen, die zum Wiederaufbau des Landes nach Ende des Krieges dienen soll.

Nahrungsmittelvorräte reichen nur noch bis Mai
Dem Welternährungsprogramm (WFP) zufolge reichen die Nahrungsmittelvorräte im Irak nur noch bis Mai. Die UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO warnte, der Krieg könne die Landwirtschaft des Irak zerstören. 60 Prozent der 25 Millionen Iraker sind derzeit von Nahrungsmittelzuweisungen durch den Staat abhängig.

4.4.2003 13:19