Bagda ohne Strom: Zündete Army Blackout-Bombe?
- Über die geheime Waffe des Typs BLU-114/B ist wenig bekannt
- BILDER: Der Kampf der Alliierten (Kasten)

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Seit 2 Wochen tobt der Krieg, seit der Nacht auf Freitag gibt es erstmals einen totalen Stromausfall in der Millionenstadt Bagdad. Der Angriff dauerte nur 15 Minuten. Das löst Spekulationen aus: Die USA, vermuten Beobachter, könnten mit einer so genannten "Blackout-Bombe" die Stromversorgung der irakischen Hauptstadt lahm gelegt haben.
Die Bewohner, ansonsten an Bombardements gewöhnt, verschwanden augenblicklich in ihren Häusern - offenbar aus Angst vor einem baldigen Einmarsch der Alliierten in Bagdad.
Die Ursache für die Verdunkelung blieb rätselhaft. US-Generalstabschef Richard Myers dementierte einen alliierten Angriff auf das Stromnetz der Hauptstadt. Auch eine von der irakischen Regierung befohlene Verdunkelung zum Schutz vor Luftangriffen ist unwahrscheinlich, da der Stromausfall bei Tagesbeginn andauerte. Beobachter spekulierten, die US-Luftwaffe könnte eine so genannte "Blackout-Bombe" eingesetzt haben, um Spezialeinheiten Einsätze in Bagdad zu ermöglichen.
Über die geheime Waffe des Typs BLU-114/B ist nur wenig bekannt. Nach Angaben der angesehenen Federation of American Scientists (FAS) wurde sie erstmals am 2. Mai 1999 im Kosovokrieg gegen ein serbisches Kraftwerk eingesetzt. Die BLU-114 verstreut laut FAS zahlreiche Behälter von der Größe einer Getränkedose, die tausende kleiner Kohlefaser-Fäden über dem Zielgebiet freisetzen.
Die graphitbeschichteten Fäden sind nur wenige Zehntel Millimeter dick und wabern wie eine Wolke durch die Luft. Wenn sie sich auf Transformatoren und andere Strom führende Teile legen, lösen sie Kurzschlüsse aus, die die betroffenen Bauteile schmelzen lassen und verheerende Auswirkungen auf große Teile des Stromnetzes haben können. Dies wäre auch in Bagdad der Fall, da die Stadt den Großteil ihrer Elektrizität vom al-Dura-Kraftwerk bezieht, das südlich der Metropole liegt.
Die BLU-114 gilt als "weiche Bombe", da sie in erster Linie technische Einrichtungen beschädigt und nur eine geringe Gefahr für Menschen darstellt. Allerdings können die Kurzschlüsse, die von der Bombe ausgelöst werden, nach Darstellung der FAS zu Bränden oder im Extremfall zu kleineren Explosionen führen.
Ernstere Folgen können die indirekten Auswirkungen des Einsatzes einer "Blackout-Bombe" gegen das Elektrizitätsnetz einer Großstadt wie Bagdad haben. Ein längerer Stromausfall kann nicht nur lebenserhaltende Systeme in Krankenhäusern, sondern auch die Wasserversorgung lahm legen. Bei den Temperaturen, wie sie tagsüber in Bagdad herrschen, kann dies eine erhöhte Seuchengefahr bedeuten.
Die FAS wurde 1945 als "Federation of Atomic Scientists" von ehemaligen Mitgliedern des "Manhattan Project" der US-Regierung gegründet, in dessen Rahmen die erste Atombombe entwickelt worden war. Die Organisation wird von 60 Nobelpreisträgern verschiedener Disziplinen unterstützt und gilt alt Schnittstelle zwischen Militärexperten, Medien sowie Menschenrechts- und Waffenkontrollgruppen.
Bagdad hat wieder Wasser
Die Menschen in der irakische Hauptstadt Bagdad haben nach einer nächtlichen Unterbrechung am Freitag wieder Wasser aus den Leitungen bekommen. Im Zentrum und in anderen Stadtvierteln wurde die Versorgung am Vormittag wieder aufgenommen. Journalisten berichteten, es gebe aber weiter keinen Strom.
Das Elektrizitätsnetz in der Fünf-Millionen-Stadt war am Donnerstagabend nach neuen Angriffen und während eines Vormarsches der US-Truppen zusammengebrochen. Die genaue Ursache blieb unklar. In der Stadt liefen am Freitag vielerorts Stromgeneratoren.
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