Baath-Funktionäre: Saddams treue Fußtruppen
- "Blockwart"-System hat sich bisher bewährt
- Naji Sabri: Letzte Begegnung mit Saddam "geht sie nichts an!"
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Saddams Republi- kanische Garden
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Die Jagd auf Saddam Hussein
Der jetzige zweite Krieg der Amerikaner gegen den Irak kam früher als die regierende Baath-Partei Saddam Husseins erwartet hatte. Nun ist das Parteinetzwerk im ganzen Land gefordert: Die lokalen "Blockwarte" der ehemals sozialistischen Partei sollen überall die Menschen bei der Stange halten - und den Widerstand organisieren.
"Wenn der Wiederaufbau des Sitzes der Baath-Partei in Bagdad abgeschlossen ist, dann kommt der nächste Krieg", lautet ein Spruch, den die Irakis nach dem US-amerikanischen Beschuss vom Dezember 1998 parat hatten. Doch als die Amerikaner den neoklassizistischen Riesenbau erneut bombardierten, standen die Baukräne noch hoch über dem Parteigebäude, das genauso zu den Symbolen der irakischen Parteidiktatur Saddam Husseins gehört wie die klobigen Präsidentenpaläste.
Die Führungskader der Staatspartei haben jetzt allerdings keine Zeit, sich um ihr Hauptquartier zu sorgen, Denn die treuen Fußtruppen des Regimes sollen in diesem Krieg den Widerstand gegen die Invasoren organisieren. An die einfachen Baath-Mitglieder, die in den Dörfern und städtischen Wohnvierteln in Friedenszeiten - neben den verschiedenen Geheimdiensten - die Aufgabe haben, ihre Nachbarn zu bespitzeln und mögliches oppositionelles Gedankengut aufzuspüren, hatte die Führung in den Monaten vor Kriegsbeginn Waffen ausgegeben.
Damit sollen die "Blockwarte" der Partei, auch mögliche Aufstände verhindern und die verschiedenen Armee-Einheiten und kämpfenden Zivilisten bei der Stange alten. Offiziell der Partei unterstellt sind auch die paramilitärischen Kräfte der berüchtigten "Fedayin Saddam".
Wackelige Macht im Südirak
Unter Beschuss der amerikanisch-britischen Kriegskoalition geriet auch das Baath-Parteigebäude in Basra, das selbst in Friedenszeiten gesichert ist wie die Festung einer Besatzungsmacht, denn hier im mehrheitlich schiitischen Süden ist die Machtbasis der von Sunniten beherrschten Partei nicht so solide wie im Zentralirak. Wie erfolgreich die Baathisten ihre Aufgabe offenbar bisher erfüllt haben, erklärte der britischer Oberst Chris Vernon in einem Interview. Um Basra unter Kontrolle zu bringen, sei es notwendig, die Baath-Partei und die unter ihrer Anleitung operierenden irregulären Kämpfer "auszuradieren".
Die Baathisten haben offenbar aus ihrem Misserfolg im Golfkrieg 1991 gelernt. Damals hatten sie aus Sicht von Saddam Hussein kläglich versagt, als es darum ging, die Aufstände der Schiiten und Kurden im Norden und Süden niederzuschlagen. Einige Angehörige der Parteispitze und des Mittelbaus mussten dafür später büßen. Gleichzeitig entdeckte der Staats- und Parteichef die irakischen Clans und Stämme für sich, von denen er einige durch die Verteilung von Posten und eine Einbindung in die Parteistruktur für sich gewinnen konnte.
Ursprung: Sozialismus
Von ihrer ursprünglichen Ideologie eines strikt säkularen, sozialistischen panarabischen Nationalismus hat sich die Baath-Partei (deutsch: Auferstehung oder Wiedergeburt) seit ihrer Gründung durch den syrischen Christen Michel Aflak im Jahr 1947 weit entfernt. Auch wenn die alten Losungen von der antikapitalistischen Erneuerung, der "imperialistisch-zionistischen Bedrohung" und der arabischen "Umma" (Nation) noch offiziell gelten, dient die Baath-Ideologie heute vor allem als Deckmantel für einen vom Personenkult Saddam Husseins geprägten Überwachungsstaat.
Wollten die Baathisten früher noch den "sozialistischen Bürger" schaffen, der die Parteiideologie über die Religionszugehörigkeit stellt, verordnete die Führung den Irakis Mitte der neunziger Jahre eine Rückkehr zum Glauben.
Die so genannte Glaubenskampagne hatte vor allem den Zweck, den Islamisten unter den Regimegegnern das Wasser abzugraben und Gottvertrauen als "Besänftigungsmittel" für die durch zwei Kriege und das UNO-Embargo an der Grenze ihrer Leidensbereitschaft angelangte Bevölkerung einzusetzen.
Baath ist eine panarabische Bewegung, Hauptziele waren die Befreiung der Region vom Kolonialismus sowie die politische und wirtschaftliche Vereinigung der Araber. In den meisten arabischen Ländern entstanden regionale Flügel der Partei.
Streit mit syrischem Ableger
Im Irak und in Syrien kam sie an die Macht, die beiden Fraktionen sind jedoch aufs Heftigste zerstritten. Im Irak putschte sich die Partei 1968 unter Saddam Husseins Vorgänger General Ahmed Hassan al Bakr an die Macht.
Alle wichtigen Positionen in Regierung, Armee, Verwaltung, Gewerkschaften und anderen Verbänden sind heute mit Parteimitgliedern besetzt. De facto bestimmt Saddam Hussein in der Doppelfunktion als Partei- und Staatschef mit Unterstützung einiger enger Vertrauter und Familienmitglieder die Geschicke des Landes.
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