Donnerstag, 3. April 2003

Samstag: US-Truppen mit neuer Taktik in Bagdad

  • Soldaten und Panzer zeitweise in Hauptstadt eingedrungen
  • Bilder: Kampf in Bagdad; Saddam zeigt sich dem Volk (Kasten)

Es war noch nicht die große Offensive auf Bagdad, es war vielmehr eine Taktik der kleinen "Nadelstiche", die die US-Truppen am Samstag gegen Bagdad zum ersten mal zur Anwendung brachten. Immer wieder drangen kleine Stoßtrupps in Teile der Stadt vor, zerstörten irakische Militärinfrastruktur - und waren plötzlich wieder verschwunden. Der Zweck: Saddam und seinem Regime sollte dessen Schwäche vorgeführt werden.

"Das irakische Regime hat keine Kontrolle mehr" - so lautete die Botschaft, welche die ein paar hundert Mann starken US-Truppen verbreiteten, die am Samstag immer wieder nach Bagdad vordrangen. Tausend irakische Soldaten sollen dabei getötet, über 100 Panzer und anderes Militärgerät der Republikanischen Garden zerstört worden sein. Diese stellt nach Einschätzung der US-Militärführung nun keine Bedrohung mehr für die US-geführten Streitkräfte dar.

Irak dementiert
Der irakische Informationsminister Mohammed Said el Sahhaf dagegen erklärte, es seien keine US-Truppen nach Bagdad eingedrungen. Er verlas eine Erklärung von Staatschef Saddam Hussein, der die Bürger erneut aufforderte, die alliierten Truppen zu zerstören. Am Vormittag wurde sogar behauptet, der Internationale Flughafen sei wieder in der Hand der irakischen Truppen - die USA bauten ihre Verteidigungsstellungen dort jedoch aus.

Reporter skeptisch gegenüber US-Angaben
In die US-Truppen "eingebettete" Reporter berichteten von schweren Gefechten gegen "fanatische" Verteidiger und sogar zahlreiche Selbstmord-Autos der Republikanischen Garde, die auf die US-Panzer zugerast seien, ehe sie zerstört wurden. Unabhängige Reporter meldeten jedoch, sie könnten die US-Truppen trotz längerer Suche in südlichen Bereichen der Stadt nicht entdecken, auch im Stadtzentrum wurden keine US-Soldaten gesichtet. Stattdessen paradierte irakische Polizei durch die Straßen. Der britische Sender BBC äußerte Skepsis über die Berichte zum amerikanischen Vorstoß; ein Reporter spekulierte über den Begriff "Zentrum". Später entdeckten Reporter der Nachrichtenagentur AFP zumindest Spuren von Kämpfen im Südwestteil der Stadt.

"Nadelstich"-Taktik
Einige Einheiten seien von Süden aus in Bagdad eingerückt, um die Stärke der irakischen Verteidigung zu testen, erklärte US-General Renuart. Die irakische Hauptstadt werde umstellt, damit keine Verstärkung hinein gelangen könne. Aus dem Pentagon verlautete, man wolle einen losen Ring um Bagdad legen. Zivilpersonen sollten die Stadt verlassen können, während gleichzeitig humanitäre Hilfe geliefert werde.

Luftabwehr außer Gefecht gesetzt?
Am Freitag hatten die US-geführten Streitkräfte bereits zwölf Stunden lang eine unbemannte Drohne zur Aufklärung über Bagdad fliegen lassen. Dass die irakische Flugabwehr darauf nicht reagierte, könnte darauf hindeuten, dass sie durch die fortwährenden Bombenangriffe seit dem 20. März weitgehend außer Gefecht gesetzt wurde.

3.4.2003 07:44