Dienstag, 1. April 2003

US-Soldaten dürfen über Türkei versorgt werden

  • Powell erreicht Kooperation bei Gespräch in Ankara
  • PLUS: Kurden stoßen im Nordirak weiter vor (Kasten rechts)!

Einen Erfolg im Zuge des Irak-Krieges konnten die USA nun auf dem diplomatischen Parkett erzielen: Nach einem Gespräch zwischen den Außenministern Colin Powell und Abdullah Gül dürfen US-Soldaten nun über türkisches Territorium versorgt werden. Und auch ein türkischer Vorstoß in den Nordirak scheint nicht mehr aktuell zu sein.

Die offenen Fragen zum Versorgungsgüter-Transport durch die Türkei seien gelöst worden, sagte Powell nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Abdullah Gül vor Journalisten. Gül ergänzte, ein Beschluss des türkischen Parlaments über die mit Powell besprochenen Maßnahmen sei nicht notwendig. Der türkische Außenminister sprach von Nachschub an Lebensmitteln und Treibstoff; es war zunächst unklar, ob die USA auch den Transport von Munition, Fahrzeugen und anderem Gerät anstrebten.

Die US-Armee hat eine kleine Truppe in den Nordirak verlegt, um dort mit Hilfe kurdischer Kämpfer aus der Region eine zweite Front im Irak-Krieg aufzubauen. Das türkische Parlament hatte den USA eine Stationierung von Bodentruppen verweigert, was die Beziehungen zwischen den beiden Staaten belastete. Die Türkei hat den USA aber Überflugrechte eingeräumt.

US-Truppen haben Lage stabilisiert
Powell sagte, die US-Truppe im Nordirak habe die Lage so weit stabilisiert, dass die Angst des NATO-Partners Türkei vor unkontrollierten Kämpfen in den Kurden-Gebieten weitgehend unbegründet sei.

Die Türkei befürchtet im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg die Ausrufung eines unabhängigen Kurdenstaates und ein damit verbundenes Wiederaufflammen der kurdischen Separatistenbewegung im Südosten der Türkei. Die USA fürchten dagegen, etwaige Gefechte zwischen türkischen Verbänden und kurdischen Gruppen könnten sich negativ auf US-Militäreinsätze im Irak auswirken.

Powell trifft am Donnerstag EU-Minister
Powell will am Donnerstag in Brüssel mit den Außenministern der Nato und der Europäischen Union (EU) über den Irak-Krieg beraten. Powell hatte seine überraschende Reise am Montag angekündigt. Die 15 Staaten der EU sind in der Frage des Irak-Kriegs tief gespalten. Während etwa Großbritannien, Spanien und Portugal die USA unterstützen, lehnen Deutschland, Frankreich und Belgien den Krieg strikt ab.

1.4.2003 15:57