Mittwoch, 2. April 2003

Serbischer Nationalist Seselj wurde von Mafia finaziert

  • Covic: Auch Moskau-Reise von Mira Markovic "bezeichnend"

Auch der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj ist von einem der Bosse der Mafia-Gruppe aus dem Belgrader Vorort Zemun finanziert worden. Der serbische Vizeministerpräsident Nebojsa Covic erklärte am Dienstagabend gegenüber dem TV-Sender "Politika", die Polizeiermittlungen nach der Ermordung von Regierungschef Zoran Djindjic am 12. März hätten gezeigt, dass Seselj von Dusan Spasojevic, einem der Mafia-Bosse, finanziert worden sei.

Seselj selbst hatte vor einiger Zeit zugegeben, mit Spasojevic gelegentlich Schach gespielt zu haben. Covic bezeichnete es gegenüber der Tageszeitung "Blic" andererseits auch als "bezeichnend", dass die Chefin der Jugoslawischen Linken (JUL-Partei), Mira Markovic, und Seselj gerade nach dem gescheiterten Attentatsversuch auf Djindjic am 21. Februar aus Belgrad abgereist waren.

Die Entscheidung Seseljs, sich am 24. Februar selbst dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen zu stellen, hatte so mancher Belgrader Experte schon damals als "Überraschung" bezeichnet. Laut den geltenden Gesetzen wäre eine Überstellung gar nicht vorgesehen gewesen. Mira Markovic war am 23. Februar aus Belgrad abgereist. Sie hatte zuvor noch nie eine so lange Auslandsreise unternommen.

Die bisherigen Ermittlungen der Polizei haben ergeben, dass hinter der Ermordung von Djindjic neben Angehörigen der Zemun-Mafia auch die so genannten "patriotischen Kräfte" standen. So werden die früheren Regimeparteien - die Sozialistische Partei von Slobodan Milosevic, die JUL-Partei seiner Frau Mira Markovic und die Serbische Radikale Partei von Vojisalv Seselj - bezeichnet.

Die Sozialisten von Milosevic waren nach seiner Festnahme vor zwei Jahren in drei Fraktionen zerfallen, wobei nur eine unter Anleitung von Bogoljub Bjelica weiterhin engen Kontakt mit dem "Parteichef" im Gefängnis des UNO-Tribunals unterhält. Bjelica war am vergangenen Samstag festgenommen worden. Auch mehrere JUL-Spitzenfunktionäre befinden sich in Untersuchungshaft.

Und die Ultranationalisten von Seselj sind seit der Ermordung von Djindjic auffallend bemüht, keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Für Vizeministerpräsident Covic ist vorerst noch unklar, ob Spasojevic auch die Seselj-Partei finanziert hatte. Er war am vergangenen Donnerstag bei einer bewaffneten Auseinandersetzung mit der Polizei getötet worden. Die Fahndung nach dem Hauptboss der Zemun-Mafia, dem einstigen Kommandanten der Spezialpolizeinheit "Rote Barette", Milorad Lukovic "Legija", wird indes noch fortgesetzt.

Nach Polizeierkenntnissen hatte "Legija" wiederholt als Mittelsmann zwischen den Behörden und dem Mafia-Clan von Zemun fungiert. In dieser Eigenschaft soll Lukovic auch die Mörder des einstigen serbischen Präsidenten Ivan Stambolic im August 2000 mit 50.000 Euro belohnt haben.

Seinen Diplomatenpass hatte Lukovic im Jahre 1996 bekommen, als der spätere serbische Präsident Milan Milutinovic, ein Freund der Familie Milosevic, das Amt des Außenministers bekleidete. Milutinovic befindet sich seit Ende Jänner im Gefängnis des UNO-Tribunals.

2.4.2003 13:35