Dienstag, 1. April 2003

Lungenentzündung SARS lässt Asiens Wirtschaft zittern

  • Passagierminus! Airlines kürzen Flüge, Stornos im Tourismus
  • Kaufrücktritte am Immobilienmarkt

Erst der verheerende Bombenanschlag auf Bali mit über 200 Toten, nun auch noch gleichzeitig Irak-Krieg und die tödliche Lungenentzündung SARS: Für Südostasiens Wirtschaft nehmen die Hiobsbotschaften kein Ende. Die Aktienmärkte, ob in Singapur oder Seoul, verlieren seit Tagen an Boden, Tourismusmanagern steht der Schweiß auf der Stirn, Fluggesellschaften rechnen mit einem dicken Minus.

"Es wird ganz klar einen nachteiligen Effekt auf die gesamte Geschäftswelt geben", sagt P.K. Basu, Chefökonom für Südostasien des Geldhauses Credit Suisse First Boston in Singapur. "Der Tourismus ist betroffen, und alle anderen Wirtschaftssektoren auch."

Massiv hat es Singapur erwischt
Die glitzernde Handelsmetropole am Äquator erlebt wegen der schwächelnden Weltwirtschaft ohnehin harte Zeiten. Das Brokerhaus GK Goh korrigierte bereits die Wachstumsprognose für 2003 von 3,8 auf 2 Prozent nach unten - "wegen der Kombination aus Kriegs- und Gesundheitssorgen".

Touristen bleiben aus, Hotels leer
Die angeschlagene Hongkonger Wirtschaft wird schwer durch die Angst vor der Lungenentzündung getroffen. Touristen bleiben völlig weg. Viele Hotels sind leer. Selbst der Immobilienmarkt ist betroffen, weil potenzielle Käufer nicht mal mehr zur Besichtigung kommen. Der Immobilienumsatz soll diesen Monat um 30 Prozent zurückgehen. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozent reduziert wird, wenn die Epidemie zwei Monate anhält. Sollte es eine Krise geben, die ein Jahr andauert, dürfte das 0,9 Prozent wegnehmen.

Hongkongs Hotelvereinigung berichtete, die Hotels seien im März nur zu 15 bis 20 Prozent belegt gewesen. Cathay Pacific hat seine Flüge an acht Zielorte und seine Kapazität damit um vier Prozent reduziert. "Wegen des Rückgangs der Buchungen hat auch Hongkongs Dragonair zehn Flüge nach China und Taiwan gestrichen. Ob Singapore Airlines, Qantas oder Air New Zealand - überall in der Region fahren Fluggesellschaften mangels Passagieren ihre Kapazitäten merklich herunter.

Auch am internationalen Flughafen in Manila bleibt die Angst vor Auslandsreisen nicht verborgen. Die Behörden zählten ein Minus von 20 Prozent bei den Passagierankünften, seit Krieg und Krankheit Furcht verbreiten. Die Abflüge von Manila gingen sogar um die Hälfte zurück, betroffen sind vor allem die Ziele Hongkong und China.

"SARS ist ein weiterer negativer Faktor für uns", klagt Gde Pitana von der Tourismusbehörde auf der indonesischen Ferieninsel Bali, die im Oktober von schweren Bombenanschlägen mit über 200 Toten erschüttert worden war. Ähnlich das Bild in Thailand. "Uns macht der Irak-Krieg weniger Sorge als die Krankheit", sagt Roberto Jotikasthira vom thailändischen Reiseverband. "Es ist ernst. Viele Reisegruppen haben ihren Urlaub deswegen bereits abgesagt." Nach jüngsten Zahlen beträgt das Minus bei den Buchungen 20 Prozent. Analysten erwarten 2003 Einbußen von mehreren hundert Millionen Touristen-Dollars.

Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens hängt nach Ansicht von Analysten nun davon, wie schnell die Behörden der Krankheit Herr werden. Deshalb wagen beispielsweise die Experten der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) noch keine Voraussage, in welchem Umfang SARS letztendlich die regionale Ökonomie belasten wird. "Wird die Krankheit eingedämmt, werden die Auswirkungen nicht allzu groß sein. Aber das weiß derzeit keiner genau", sagt Chefökonom P.K. Basu.

1.4.2003 10:37