Sonntag, 6. April 2003

Groer-Testament ist nicht auffindbar

  • "profil": Rätsel um letzten Willen des verstorbenen Kardinals

Verwirrung herrscht um das Testament des kürzlich verstorbenen Wiener Alterzbischofs Hans Hermann Groer. Wie "profil" in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, sei kein Testament gefunden worden, obwohl der Kardinal kurz vor seinem Ableben mitgeteilt hatte, ein solches in seinem Zimmer im Kloster Marienfeld hinterlegt zu haben. Nun gibt es Spekulationen über mögliche Ursachen für die Unauffindbarkeit von Groers letztem Willen.

Zwar befinden sich in Groers Nachlass keinerlei Wertgegenstände, dafür aber ein tausende Briefe umfassendes Privatarchiv, das der frühere Wiener Erzbischof angelegt hatte und testamentarisch für 50 Jahre sperren wollte. Wer künftig über dieses Archiv verfügen wird, ist laut "profil" unklar. Groer wollte es angeblich in Marienfeld belassen, doch auch sein Stammkloster Göttweig oder gar der Vatikan könnten darauf Ansprüche erheben.

Groer war gestrigen Samstag in dem von ihm gegründeten Zisterzienserinnenkloster Marienfeld im Weinviertel unter Anteilnahme zahlreicher Gläubiger zu Grabe getragen worden. Beim Requiem hatte der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner erklärt, Groers letztes Jahrzehnt sei von einer "dunklen Wolke" überschattet gewesen, unter der viele mit ihm mitgelitten hätten.

Nach den Worten des deutschen Kardinals hatte der Wiener Alterzbischof "keine dicke Haut", sondern war leicht verletzbar und habe in seinen letzten Lebensjahren unter der Stigmatisierung (nach den Vorwürfen, Zöglinge sexuell missbraucht zu haben, Anm.) gelitten. Wie Marias sei auch Groers Herz vom Leiden durchbohrt worden, so Meisner. Gerade aber als Verwundeter sei Groer vielen zum Lebensbegleiter und Beichtvater geworden.

6.4.2003 09:48