Ärztin soll mehrere abgelaufene Mittel geimpft haben!
- Skandal durch Zufall endeckt / Neues Vakzin privat verimpft?
- Experte: Abgelaufenes Mittel nicht giftig, maximal unwirksam
Es geht um Impfungen gegen FSME, Influenza, Polio,... 2.000 Menschen sind betroffen, der schwere Verdacht richtet sich gegen eine - nun suspendierte - Wiener Amtsärztin: Sie soll im Bezirksgesundheitsamt Döbling von Oktober 2001 bis März 2003 abgelaufenen Impfstoff injiziert haben. Hauptsächlich dürfte es sich um FSME-Vakzine gehandelt haben. Nur durch einen Zufall ist die Ärztin aufgeflogen! Die Frage, die geklärt werden muss: Wurde das neues Vakzin "privat" verwendet? Ein Virologe beruhigt besorgte Opfer: Abgelaufener Impfstoff ist nicht giftig (Kasten rechts).
Der in Frage kommende Personenkreis umfasst bis zu 2.000 Personen. Hauptsächlich dürfte es sich um FSME-Vakzine gehandelt haben. "Gesundheitsgefahr für die Betroffenen besteht nicht", beruhigte das Büro von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann am Donnerstag. Unter Umständen ist aber der Schutz nicht in vollem Maße gegeben. Dies dürfte aber nur bei wenigen Betroffenen der Fall sein.
Die Medizinerin ist durch Zufall bei der Nachkontrolle von Abrechnungen und Verpackungen aufgeflogen. Angenommen wurde - so die Hintergrundinformationen -, dass die Ärztin den abgelaufenen Impfstoff injizierte, aber die Chargennummer des nachbestellten neuen für die Impfpässe verwendete. Das neue Vakzin könnte sie dann "privat" verwendet haben. Die Frau, die alle Anschuldigungen von sich weist, wurde vom Dienst suspendiert. Es wurde auch Anzeige gegen sie erstattet.
Normalerweise laufen Impfungen so ab, dass der Arzt eine der beiden Klebeetiketten von der Einmalspritze abnimmt und in den Impfpass einklebt. Die andere wird zur Dokumentation aufbewahrt. Der Arzt kann aber auch die Chargennummer des Vakzins nur einschreiben. Ehemals war das überhaupt nicht üblich. Erst nach Problemen mit einem FSME-Vakzin vor einigen Jahren bei Kindern wurde diese Praxis generell etabliert.
Laut Dr. Uriel Landesmann von der MA 15 gibt es nicht nur bei FSME-Impfungen den Verdacht auf die Malversationen. Betroffen sein könnten auch Influenza, Diphtherie-Pertussis-Kinderlähmung-Kombinationsimpfungen und jene von Kindern inklusive Polio. "Bei den Kindern werden es aber nur wenige sein. Sie werden zum größten Teil beim Kinderarzt oder beim Hausarzt geimpft". Was die Situation zusätzlich entschärft: Die Influenza ist zum größten Teil vorbei.
"Als Ärztin bin ich besonders betroffen", sagte Pittermann. Die Personen wurden eingeladen, sich zu einem Gespräch mit einem Impfexperten einzufinden. Je nach Sachlage kann eine Blutabnahme zur Titerbestimmung empfohlen werden. Landesmann wies darauf hin, dass die meisten Impfungen wiederholt werden und somit auch der Ausfall einer Immunisierung nicht zum Verlust des Schutzes führen müsse: "Wir gehen davon aus, dass nur bei einigen wenigen Personen eine neuerliche Impfung notwendig sein wird."
Auch wenn FSME-Impfstoff bereits abgelaufen ist, ist er in der Regel noch einige Zeit wirksam. Die in Österreich gebräuchlichen Vakzine FSME-Immun (18 Monate haltbar) und Encepur (15 Monate) verlieren etwa erst nach 24 Monaten ihren Effekt. "Menschen mit schwachem Immunsystem und bei Kindern unter zwei Jahren ist es aber bereits davor kritisch", so der Wiener Apotheker und Impfexperte Mag. Kurt Vymazal.
Die MA 15 hat eine Hotline eingerichtet. Unter der Wiener Telefonnummer 01/4000/8078 stehen Experten Montag bis Freitag von 7.30 bis 17.00 Uhr für Anfragen zur Verfügung.
Dazu erklärte auch Dr. Wilhelm Erber vom Pharmakonzern und Impfstoffproduzenten Baxter: "Im Vergleich zu synthetisch-chemischen Wirkstoffen sind Impfstoffe immer eine 'kurze Geschichte'. Da sind auch die Ablauffristen sehr streng zu nehmen. Die Reaktion der MA 15 ist eine sehr schnelle und kompetente Reaktion."
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