Donnerstag, 3. April 2003

Verdächtiger sprang bei WEGA-Zugriff aus Fenster: tot

  • Dritter Stock: Algerier brach sich das Genick
  • Zweiter Algerier bestätigt Polizei-Version

Ein Zugriff der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) hat in der Nacht auf Donnerstag für einen Mann tödlich geendet: Der unter dem Verdacht von Seriendiebstählen stehende Algerier sprang auf der Flucht aus dem Fenster einer Wohnung in der Leopoldstadt.

Der Mann erlitt einen Genickbruch und war auf der Stelle tot.

Kleintransporter "ausgeräumt"
Der Verstorbene, ein 30 bis 35 Jahre alter Algerier, der keinerlei Ausweispapiere bei sich hatte, hat laut Polizei einer vierköpfigen Tätergruppe angehört, die auf das "Abräumen" von Kleintransportern spezialisiert war, die Handys und andere Waren an Firmen auslieferten. Ein mutmaßliches Mitglied, der 34-jährige Mustafa H., war am Dienstag auf frischer Tat ertappt worden.

Während für den Chauffeur der Bande die Handschellen klickten, entkamen zwei Komplizen, bei denen es sich um den nunmehr Getöteten und den 28-jährigen Meziane M. gehandelt haben soll, zu Fuß. Vom vierten Mann fehlte weiterhin jede Spur.

Die Ermittler forschten den Unterschlupf der beiden Gesuchten, eine Zimmer-Küche-Wohnung in der Engerthstraße, aus. In der Nacht auf Donnerstag erfolgte der Zugriff durch vier WEGA-Einsatzkräfte.

"Aufmachen, Polizei!"
"Die Beamten haben zunächst angeklopft, mehrfach 'Aufmachen, Polizei' gerufen und erst dann die Tür gewaltsam geöffnet", berichtete die Polizei. Als die WEGA in die Wohnung eindrang, stand der aus dem Schlaf gerissene Meziane M. allein neben einem Matratzenlager vor einem offenen Fenster.

Der andere Algerier habe, während die Polizisten noch die Tür öffneten, versucht, aus dem Fenster zu flüchten. "Es ist möglich, dass er geglaubt hat, er könne vom Fenster aus einen Baum erreichen und von dort auf den Boden klettern", so der Major. Den Sprung aus rund zehn Meter Höhe überlebte der Verdächtige nicht.

Überlebender Algerier bestätigt Polizei-Version
Die Kriminaldirektion 1 hat den Todesfall untersucht. Meziane M. habe die Angaben der WEGA-Beamten bestätigt.

Die Kripo hatte gemeinsam mit der Sicherheitsabteilung einer großen, zuletzt immer wieder geschädigten Elektrohandelsfirma Zulieferfahrzeuge observiert. So war es zur Festnahme von Mustafa H. am vergangenen Dienstag gekommen. Der Mann soll bereits acht Fälle mit einem Schaden von rund 100.000 Euro gestanden haben.

Die Gruppe ging laut Polizei immer so vor: Während der Fahrer eines Transportlasters ein Paket zustellte, räumten die Verdächtigen so viele Waren wie möglich von der Ladefläche. Ermittlungen wegen Hehlerei laufen noch.

In den vergangenen Monaten hätten sich in Wien bis zu 70 solcher Vorfälle zum Schaden verschiedenster Firmen ereignet. Gestohlen wurden vor allem Handys und Laptops, aber auch Kosmetikartikel, sagte Frühwirth. Es wird angenommen, dass mehrere Tätergruppen unterwegs sind.

3.4.2003 07:34