Mittwoch, 2. April 2003

Rache der Lehrer: Wegen Meetings fällt Unterricht aus

  • Am 9. April zwischen 08.00 bis 13.00 Uhr

Für Protestmaßnahmen rüsten derzeit die AHS-Lehrer, halten am Mittwoch (9. April) "Dienststellen-Versammlungen" ab. Sozusagen "Rache" wegen Bildungsministerin Gehrers (V) geplanter Streichung von etwa 2 Unterrichtsstunden pro Woche. Konsequenz: Wegen der Meetings fallen einige Unterrichtstunden aus. Enttäuscht über diese Lehrer-Reaktion zeigen sich ÖVP und ÖVP-nahe Schüler.

In einer Rahmenzeit zwischen 08.00 bis 13.00 Uhr werden an den AHS Dienststellenversammlungen stattfinden - der Unterricht entfällt in diesem Zeitraum, die Kinder werden aber bei Bedarf beaufsichtigt. Außerdem planen Lehrer-Aktivisten Kundgebungen, die größte soll vor dem Bildungsministerium in Wien stattfinden.

In der AHS-Gewerkschaft rechnet man damit, dass die Dienststellenversammlungen praktisch flächendeckend an allen rund 320 Standorten abgehalten werden. Wie die einzelnen Schulen "ihren" Aktionstag organisieren, bleibt ihnen aber selbst überlassen. Daher dürfte an einigen Schulen nicht die gesamte Zeit dafür in Anspruch genommen werden. AHS-Lehrergewerkschafter Helmut Jantschitsch rechnet mit einer durchschnittlichen Dauer von drei Stunden, an vielen Schulen auch länger. Die Eltern wurden von den jeweiligen Schulen über die genauen Modalitäten an "ihrem" Standort informiert. Zu den Versammlungen eingeladen werden außerdem Eltern- und Schülervertreter.

In Aufrufen machen außerdem Lehrer-Aktivisten Stimmung für den Aktionstag, an dem auch Kundgebungen geplant sind. Unter anderem soll am Mittwoch um 11.30 vor dem Bildungsministerium am Minoritenplatz in Wien demonstriert werden. In Vorarlberg veranstaltet die Unabhängige Bildungsgewerkschaft (UBG) ab 10.00 Uhr in Feldkirch einen "Protesttag" mit einem gemeinsamen Marsch vom Bahnhof ins Montforthaus. Aktionen sind auch am Taubenmarkt in Linz (ab 10.30 Uhr) und in Innsbruck geplant. Diese werden von den AHS-Lehrervertretern in der GÖD allerdings nicht unterstützt.

GÖD verbot Lehrern Streik
Nicht unproblematisch war die Entstehungsgeschichte des ursprünglich als "gewerkschaftlich organisierter Schulpartnertag" geplanten Aktionstags. Da die AHS-Lehrer in der GÖD keine Zustimmung für einen Streiktag erhielten, sind sie auf Dienststellenversammlungen "ausgewichen". Diese stellen keine gewerkschaftlichen Maßnahmen dar, sondern solche des Personalvertretungsrechts. Protestiert wird gegen den Wegfall von Arbeitsplätzen durch die Stundenkürzungen. Gehrer argumentierte hingegen, dass keine Kündigungen erfolgen und die Stellen durch Nicht-Nachbesetzung pensionierter Pädagogen eingespart würden.

Dienststellenversammlungen wird es in der laufenden Woche auch im berufsbildenden Schulbereich (BMHS) geben. Diese finden allerdings nicht öffentlichkeitswirksam zentral an einem Tag statt und werden nur ein bis zwei Unterrichtsstunden dauern. Im Pflichtschulbereich sind keine Aktionen geplant, die Lehrer-Arbeitsplätze in diesem Bereich sind allerdings auch im Finanzausgleich festgeschrieben.

Kritik von VP und Schülerunion
Kritik an den geplanten Aktionen der Lehrer-Gewerkschafter kommt von der ÖVP. Die Reduktion der Schulstunden werde zu einer zeitlichen Entlastung der Kinder und Jugendlichen führen, aber keine Verschlechterung der Schulqualität mit sich bringen. Die Qualität hänge nicht von der Stundenanzahl, sondern von der Auswahl der richtigen Inhalte sowie deren Vermittlung ab.

"Enttäuscht" über die AHS-Gewerkschafter zeigte sich auch Bundesschulsprecherin Claudia Haas von der VP-nahen Schülerunion in einer Aussendung. Anstatt Zahlenspielereien über die internationalen Vergleiche anzustellen, sollten sich diese die Situation der österreichischen Schüler vor Augen führen. "Wenn 13-Jährige 32 Wochenstunden in der Schule sitzen und dann noch über elf Stunden zu Hause für die Schule arbeiten müssen, dann ist das einfach zu viel."

2.4.2003 18:32