Dienstag, 1. April 2003

Alarm in Linz: Frau starb an Creutzfeldt-Jakob!

  • Forscher: Es gibt Verbindung zwischen BSE & Creutzfeld-Jakob
  • PLUS: Alle Infos zu Creuztfeld-Jakob und Rinderseuche (Kasten)

Alarm in Linz: Eine Frau erkrankte an Creutzfeldt-Jakob und starb in einem Spital! 362 weitere Patienten werden über den Fall und den Grund der tödlichen Erkrankung informiert. Es soll keinen Zusammenhang mit der Tierseuche BSE geben. Britische Forscher fürchten sehr wohl, dass es eine Verbindung zwischen Rinderwahnsinn BSE und der Menschen-Seuche geben könnte! Auch der Nobelpreisträger Stanley Prusiner glaubt, dass es wesentlich mehr Creutzfeldt-Jakob-Kranke gibt als bislang bekannt (siehe Kasten rechts).

Der Krankheitsfall in Linz
Die 67-jährige Frau ist im Jänner verstorben. Eine Untersuchung des Gehirns der Verstorbenen hat die Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJD) bestätigt. Da sich die Frau zwei Monate vor Ausbruch der Krankheit im Spital der Barmherzigen Schwestern am Auge operieren ließ, müssen 362 weitere Patienten über ein nach Ansicht der Experten allerdings "sehr geringes Ansteckungsrisiko" informiert werden. Wie die zuständige Landesrätin Silvia Stöger (S) sowie Mediziner bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Dienstag bekannt gaben, bestehe bei diesem Creutzfeldt-Jakob-Fall kein Zusammenhang mit der Tierseuche BSE.

Begonnen hatte der jetzige Fall bereits im Oktober vergangenen Jahres, allerdings ahnte damals noch niemand etwas von der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung. Die Frau wurde am 8. Oktober 2002 im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz operiert, es handelte sich um einen Routineeingriff wegen eines "Grauen Stars". Die Operation verlief problemlos, die Frau wurde wieder aus dem Spital entlassen. Erst im Dezember traten dann Symptome auf, welche die Einlieferung ins Psychiatrische Wagner-Jauregg-Krankenhaus erforderlich machten.

Dort verschlechterte sich der Zustand der Frau sehr rasch, für die Fachärzte wurde immer deutlicher, dass vermutlich ein Fall einer Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung vorlag. Am 22. Jänner des heurigen Jahres starb die Frau. Die Gehirnuntersuchung bestätigte, dass die Frau an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gestorben war. Allerdings an einer Form, die nichts mit BSE zu tun hatte. Es ist davon auszugehen, dass die Frau vor 20 oder mehr Jahren angesteckt wurde, so lange dauert nach Aussage der Spezialisten die Inkubationszeit. Pro Jahr sterben in Österreich im Schnitt fünf Menschen an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Das Problem im vorliegenden Fall sei aber, so Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger - selbst Ärztin - bei der Pressekonferenz, die Augenoperation im Oktober 2002 im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern gewesen. "Zu einem Zeitpunkt, wo es noch keinerlei auffällige neurologische Symptome gab, daher auch niemand ahnen konnte, dass hier eine Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung vorlag", betonte Andreas Krauter, der ärztliche Leiter des Spitals der Barmherzigen Schwestern.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Falles wurden gemeinsam mit den Sanitätsbehörden von Land und Stadt Linz in der Augenabteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern erste hygienische Maßnahmen getroffen. Dazu Oberösterreichs Landessanitätsdirektor Stefan Meusburger: "Theorien besagen, dass die Krankheit durch Prionen - das sind Eiweißstoffe - übertragen werden kann. Prionen sind aber sehr widerstandsfähig und können durch übliche Sterilisationsmaßnahmen sehr wohl reduziert, aber nicht gänzlich vernichtet werden". Der Operationssaal der Augenabteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern wurde jedenfalls vorübergehend geschlossen, inzwischen ist er aber wieder behördlich freigegeben worden.

In der Zeit seit dem 8. Oktober 2002 - an diesem Tag erfolgte der Eingriff bei der späteren Creutzfeldt-Jakob-Patientin - bis zum Bekanntwerden des Falles am 20. Jänner 2003 wurden an der Augenabteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Linz insgesamt 362 Patientinnen und Patienten operiert. Bei diesen könne eine Ansteckung "nicht mit absoluter Sicherheit" ausgeschlossen werden, so Sanitätsdirektor Meusburger. Aber Spitalschef Krauter beruhigt: "Die Wahrscheinlichkeit ist verschwindend gering."

Trotzdem hat das Krankenhaus inzwischen alle 362 betroffenen Patienten schriftlich zu einem Informationsgespräch eingeladen. "Die Leute werden über die Situation in Kenntnis gesetzt, aber nicht unnötig beunruhigt, da das Risiko einer möglichen Infektion äußerst gering bis gegen Null gehend ist", so Krauter. Aus der Literatur sei kein einziger Fall bekannt, wo ein Mensch durch mit Prionen kontaminiertes Augen-Operationsbesteck an Creutzfeldt-Jakob erkrankte.

1.4.2003 14:56