"Adonis": Behördenfunknetz mit großen Problemen
- Innenministerium soll bereits Ausstiegsszenario prüfen
- Nutzer springen bereits reihenweise ab
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Das bundesweite neue Behördenfunknetz Adonis scheint einmal mehr zu wanken und es sollen zahlreiche Blaulichtorganisation bereits abspringen. Von ursprünglich erwarteten 80.000 Nutzern bei Polizei, Militär, Rettung, Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen soll der Kundenkreis für die Betreiberfirma Master-talk, ein Joint-Venture von Siemens, Wiener Stadtwerken Raiffeisen und Verbund, dürfte auf 40.000 Nutzer geschrumpft sein.
Im Innenministerium soll bereits ein Ausstiegsszenario mit Betreiberwechsel überlegt werden. Das Ressort wollte dies nicht weiter kommentieren, nur so viel: Entscheidend sei, "dass es in Österreich ein gemeinsames Funknetz aller Blaulichtorganisationen geben soll" und "es gibt einen Betreiber". Grund für die Zweifel des Innenministeriums ist, dass mit der sinkenden Kundenzahl auch die Kosten für das Ressort steigen würden. Die Rechnung von 1.000 Euro Betriebskosten pro Gerät und Jahr gingen offenkundig nicht auf. Experten befürchteten den dreifachen Preis, was einen Anstieg der Kosten für das Innenminister auf jährlich 75 Mio. Euro oder fünf Prozent seines Jahresbudgets bedeuten würde.
Bei Master-Talk wurden die Berichte dementiert. Man gehe nach wie vor von den ursprünglich angekündigten Nutzerzahlen aus. Auch von den Plänen, auch Private auf das Netz zu bringen (was die Kosten insgesamt senken würde), sei man auf lange Sicht nicht abgegangen, heißt es aus dem Unternehmen.
Die Blaulicht-Organisationen kehren Adonis serienweise den Rücken. Die Wiener Johanniter bestätigten etwa, dass für sie das Funknetz zu teuer sei. Die NÖ-Feuerwehr wolle nicht wie geplant 4.000, sondern 200 Geräte für die Kommandozentralen bestellen. Die Wiener Feuerwehr wolle sich gar mit fünf Geräten begnügen. Auch das Rote Kreuz Niederösterreich spare. Statt wie bisher 1.100 Funkgeräte, soll die größte Rotkreuz-Landesstelle mit Adonis nur 700 Geräte benutzen.
Das Funknetz soll Anfang April in Probebetrieb gehen, Anfang September soll Adonis in NÖ funktionieren. Bis Ende des Jahres sollen die Länder Wien und Niederösterreich erschlossen sein. Spätestens im April 2005 soll das Netz österreichweit in Betrieb stehen.
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