Donnerstag, 27. März 2003

MobilCom will UMTS-Netz verkaufen

  • Kaufofferte von KPN und O2 - "Verkaufsprozess läuft"
  • Konzerntochter Freenet soll gehalten werden

Der deutsche Mobilfunkanbieter MobilCom rechnet sich nach seiner Rettung vor dem Zusammenbruch gute Chancen für den Verkauf seines UMTS-Netzes aus. Entgegen eigenen Präferenzen könnte das Büdelsdorfer Unternehmen dazu gezwungen sein, auch die Internet-Tochter Freenet zu verkaufen.

Vorstandschef Thorsten Grenz äußerte sich zuversichtlich, dass Anfang April eine erste Entscheidung verkündet und bis Mitte April entweder mit dem niederländischen Telekom-Konzern KPN oder dem kleineren Konkurrenten O2 ein Vertrag über den Verkauf des UMTS-Netzes abgeschlossen werden könne. Von beiden Konkurrenten lägen Angebote in der Preisspanne zwischen 10 und 30 Mio. Euro vor. "Der Verkaufsprozess läuft," sagte Grenz. Damit würde Mobilcom weniger erlösen als die noch Anfang März in Branchenkreisen erwarteten rund 50 Mio. Euro.

Großaktionär France Telecom hatte Mobilcom zum Jahreswechsel vor der drohenden Insolvenz gerettet, indem er 7 Mrd. Euro Schulden von seinem einstigen Partner übernahm. Im Gegenzug zieht sich Mobilcom aus den UMTS-Aktivitäten zurück und verkauft das bisher aufgebaute Funknetz. 90 Prozent des Erlöses muss Mobilcom an den französischen Telefonkonzern überweisen.

Verkauf von Freenet soll vermieden werden
Grenz relativierte zugleich frühere Aussagen, wonach MobilCom an seiner Internettochter Freenet festhalten und die Beteiligung notfalls mit "Zähnen und Klauen" verteidigen wolle. "Wenn ich frei wäre, würden wir die Perle im Konzern halten", sagte er nun. Das 76-prozentige Aktienpaket an Freenet ist bei den Banken verpfändet, die Mobilcom den Rettungskredit über 162 Millionen Euro bewilligt haben. Davon hat MobilCom Grenz zufolge 138 Millionen Euro zur Finanzierung des Personalabbaus und weiterer Sanierungskosten benötigt. Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch sagte, derzeit würden Alternativen wie die Umschuldung der Kredite geprüft, um einen Verkauf des Freenet-Pakets zu vermeiden. Eine Option sei auch die Veräußerung nur eines Teils der Freenet-Aktien.

Für 2003 schwarze Zahlen erwartet
Grenz bekräftigte die Prognose, wonach MobilCom im ersten Halbjahr 2003 beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) die Gewinnschwelle erreichen und im Gesamtjahr erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben wolle. Im abgelaufenen Jahr hatte der Büdelsdorfer Konzern bei rückläufigem Umsatz insbesondere wegen Kosten im Zusammenhang mit dem Rückzug aus dem UMTS-Geschäft einen Rekordverlust von 3,4 Mrd. Euro ausgewiesen. Der Umsatz verringerte sich gleichzeitig um gut 20 Prozent auf 2,053 Mrd. Euro.

Weitere Informationen:

  • Mobilcom-Website

    27.3.2003 15:24