Donnerstag, 27. März 2003

EMTS Austria - Konkurs mit Folgen

  • Filialen und Parndorf-Werk werden verkauft
  • Drei Interessenten für Handyfabrik

Nach der Eröffnung des Konkursverfahrens über die Österreich-Tochter des Handy-Dienstleisters EMTS wird nun versucht, die verbliebenen Filialen und das Werk in Parndorf zu verkaufen. Für die Handyfabrik in Parndorf gebe es bereits drei Interessenten, bis Mitte April sei mit einem Abschluss des Verkaufs zu rechnen, sagte der Masseverwalter Karl Engelhart nach der EMTS-Gläubigerversammlung.

Einer der drei Interessenten, die aus den Bereichen Telekom, Elektronik und Investment kommen, führe bereits eine Due Diligence-Prüfung durch, daher sei ein Verkauf bereits sehr konkret. Im Werk waren zuletzt rund 120 Mitarbeiter beschäftigt. Auch für die sieben noch offenen und zwei bereits geschlossenen EMTS-Filialen in Wien, Vösendorf, Graz, Salzburg, Linz und Innsbruck gebe es mehrere Interessenten. "Es liegen teilweise bereits verbindliche Angebote vor", so Engelhart, der auch einen raschen Verkauf der Filialen anstrebt.

Passiva bei 15 Mio. Euro
Von der Insolvenz der EMTS Austria GmbH sind insgesamt knapp 200 Mitarbeiter betroffen. Die Passiva des Unternehmens werden vom KSV derzeit auf 15 Mio. Euro inklusive interner Konzernverbindlichkeiten geschätzt. Die Berichts- und Prüfungstagssatzung der EMTS wurde für den 27. Mai anberaumt. Nach der Aufkündigung des Vertrags mit dem Handyhersteller Nokia, mit dem rund 60 Prozent des Umsatzes gemacht wurden, ist laut EMTS "eine Insolvenz nicht abzuwenden" gewesen. Der Umsatz der EMTS Austria GmbH betrug 2002 rund 18,2 Mio. Euro, etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes der EMTS-Gruppe.

Schönen von Umsatzzahlen angeordnet
Nokia hatte Anfang Februar die Kooperationsverträge mit der EMTS in allen 11 Ländern mit Wirksamkeit Ende Juli 2003 gekündigt, da der weltgrößte Handyhersteller nach eigenen Angaben mit der Reparaturleistung von EMTS unzufrieden war. Anfang März hatte EMTS angekündigt, seine Tochtergesellschaften in den Niederlanden, Frankreich und Schweden in Konkurs schicken zu müssen, zuvor war der Rückzug aus der Schweiz und Monaco angekündigt worden. Das Geschäft soll künftig nur noch mit Tochtergesellschaften in Deutschland, Italien, Spanien, Dänemark und Finnland betrieben werden.

Gegen den Salzburger Handy-Dienstleister waren im Jänner Vorwürfe wegen Bilanzmanipulation aufgetaucht, der neue Vorstand beauftragte in Folge die Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG mit einer Prüfung der Vorwürfe. Nach einem aktuellen "Format"-Bericht finden sich im Rohbericht der KPMG schwere Vorwürfe gegen das frühere Management. So soll ein Vorstand nachweislich das Schönen von Umsatzzahlen von Tochterfirmen angeordnet haben.

Weitere Informationen:

  • EMTS-Website
  • Format-Website

    27.3.2003 15:01