Donnerstag, 27. März 2003

TA-Chef Sundt: Keine Verhandlungen mit Swisscom

  • Grundsatzentscheidung über Einstieg Ende April
  • "Strategisches Interesse" an MobilTel bestätigt

Die Telekom Austria (TA) führt derzeit keine Verkaufsverhandlungen mit dem Schweizer Telekomriesen Swisscom. Man stehe "mit der Swisscom wie mit vielen anderen Telekombetreibern in Kontakt", konkrete Verkaufsverhandlungen führe die TA aber nicht, sagte Telekom-Chef Heinz Sundt bei der Bilanzpressekonferenz. Kreise erwarten eine Grundsatzentscheidung über einen möglichen Einstieg der Schweizer bei der TA bis Ende April.

Derzeit hält die Staatsholding ÖIAG noch 47,2 Prozent an der TA. Die Regierung hat in ihrem Regierungsübereinkommen die weitere "Privatisierung der Telekom Austria (bis zu 100 Prozent)" angekündigt. Außerdem ist spätestens 2004 auch ein Komplettausstieg der Telecom Italia aus der TA zu erwarten, die Italienern halten derzeit noch 14,8 Prozent an der österreichischen Telekom. Die Swisscom gilt - nicht zuletzt auf Grund ihrer im europäischen Vergleich enorm niedrigen Verschuldensrate - als aussichtsreichster Kandidat.

Die Schweizer betonten erst am Mittwoch, sie prüften laufend Optionen, wie die Position in Europa verstärkt werden könne: "Im Vordergrund stehen grenzüberschreitende Geschäftsmodelle für Teilmärkte mit internationaler Ausprägung." Interessiert ist die Swisscom laut einer Sprecherin aber nur an einer Mehrheitsbeteiligung. TA-Chef Sundt wollte am Donnerstag zu den Spekulationen keine weitere Stellungnahme abgeben. Er wolle nichts sagen, was seinen Eigentümer präjudizieren würde, so Sundt.

TA schließt Akquisitionen nicht aus
Die TA selbst schließt Akquisitionen im laufenden Jahr nicht aus. Die TA erwirtschafte einen attraktiven Cash Flow - aus ihrer Geschäftstätigkeit im Vorjahr 2002 1,171 Mrd. Euro. Bis zu einem gewissen Grad ließen sich Akquisitionen daraus finanzieren, sagt Sundt. So sei etwa der Rückkauf der Mobilkom-Anteile für 693,1 Mio. Euro aus dem Cash-Flow finanziert worden. Auch größere Akquisitionen schließt der TA-Generaldirektor nicht aus. "Riesen Akquisitionen" müssten aber "auf der Kapitalseite" Niederschlag finden.

Bereits seit längerem im Gespräch ist ein Einstieg der Mobilkom in Serbien. Rückschläge bei diesen Plänen durch die Ermordung des serbischen Ministerpräsidents Zoran Djindjic - wie von Analysten befürchtet - sieht die TA nicht. "Wir glauben, dass dieses Ereignis nur einen kurzen Einfluss, aber keinen nachhaltigen Niederschlag hat", so Sundt, der auf ein Sinken der Preise für mögliche Akquisitionen hofft.

Angesprochen auf einen möglichen TA-Einstieg bei der bulgarischen MobilTel bestätigte der TA-Generaldirektor am Donnerstag "das strategische Interesse" seines Unternehmens. In der Phase konkreter Verhandlungen befinde man sich nicht. Die TA werde die weitere Entwicklung aber "scharf beobachten".

MobilTel will "strategischen Investor"
Laut MobilTel-Vorstandschef Herbert Cordt sind die Eigentümer seines Unternehmens (ein österreichisches Konsortium um die Bawag, den Industriellen und früheren VP-Obmann Josef Taus, den Unternehmensberater Herbert Cordt und den Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff) bereit, 25 bis 49 Prozent des Unternehmens an einen "strategischen Investor" zu verkaufen. Zuletzt gab es Gerüchte, dass die Telekom Austria "politisch dazu genötigt" werden könnte, bei der MobilTel einzusteigen. Am Dienstag war Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) nach Sofia gereist, um an der Eröffnung der neuen MobilTel-Zentrale teilzunehmen.

TA-Chef Sundt stellte klar, dass sein Unternehmen "Teil des Finanzmarktes" sei. "Wir können Entscheidungen nicht treffen, als wären wir nicht börsenotiert." Alle Akquisitionen hätten gravierenden Niederschlag auf die finanzielle Struktur der TA. Das Unternehmen werde seine Geschäftspolitik jedenfalls "so orientieren", dass die Akquisitionen die Dividendenpolitik nicht beeinträchtigen würden. Bei der Zusage, 2004 eine Dividende für 2003 auszuzahlen, wolle das Unternehmen bleiben, sagt Sundt.

27.3.2003 13:05