Donnerstag, 27. März 2003

Deutsche Mobilcom mit weniger Kunden

  • Verhandlungen über Verkauf von UMTS-Stationen vor Abschluss
  • 2002: 3,4 Mrd. Euro Verlust bei 2 Mrd. Euro Umsatz

Nach dem Abschluss des UMTS-Abenteuers sieht sich der Mobilfunkanbieter Mobilcom im Stammgeschäft mit sinkenden Kundenzahlen konfrontiert. Im vergangenen Jahr fiel die Kundenzahl um 200.000 auf 4,8 Millionen. Auch für das erste Quartal 2003 ging der Vorstand weiter von einem Rückgang aus, wie aus dem in Hamburg präsentiertem Geschäftsbericht hervorgeht. Das Unternehmen begründete den Kunden-Sinkflug mit dem Abbau von unprofitablen Verträgen.

Auf Grund der gescheiterten UMTS-Pläne erzielte Mobilcom 2002 einen Jahresverlust von 3,44 Mrd. Euro bei einem Umsatz von 2,05 Mrd. Euro. "Der operative Verlust betrug 146 Mio. Euro", sagte Vorstandschef Thorsten Grenz. Im laufenden Jahr will Grenz das Unternehmen in den Gewinn zurückführen: "Auf Jahresbasis bestätigen wir, dass wir im Ebit eine schwarze Null schreiben werden." Schon im ersten Halbjahr werde die Gewinnschwelle erreicht. Ebit ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Der Umsatz werde im laufenden Jahr unter zwei Mrd. Euro sinken, sagte Grenz. "2003 wir eine hartes Jahr", erklärte er.

Wird UMTS-Netz abgebaut?
Anfang April will Mobilcom mitteilen, was aus dem eingemotteten UMTS-Netz wird. "Ich gehe davon aus, dass wir das Netz nicht abbauen müssen. Wir sind in konkreten Verhandlungen mit mehreren Interessenten." Interesse hätten die Konkurrenten O2 und E-plus angemeldet. Als Kaufpreise würden "zwischen 10 und 30 Mio. Euro" für die Technik ohne die UMTS-Lizenz angepeilt. "Die Angebote sind sehr ähnlich", sagte Grenz. 90 Prozent vom Erlös müssen an France Telecom überwiesen werden.

Ertragsstarke Telefonierer im Visier
Laut Grenz will sich Mobilcom nun wieder voll auf das Geschäft als Mobilfunkprovider konzentrieren. Dass Unternehmen beschränke sich nun auf zwei Standorte in Büdelsdorf und Erfurt, alles andere wurde geschlossen. Mobilcom will sich von unprofitablen Kunden trennen und sich vor allem auf ertragsstarke Telefonierer konzentrieren. In diesem Jahr kommen nach den Angaben 14 bis 16 Mio. Mobilfunkkunden wegen auslaufender Verträge neu auf den Markt. Unter denen will Mobilcom neue Interessenten werben. Die schlechten Berichte über die Firma im letzten Jahr haben laut Grenz dem Kundenstamm nicht geschadet.

Pleite gerade noch vermieden
Mobilcom war im vergangenen Jahr knapp an der Pleite vorbeigeschrammt, nachdem sich die Großaktionäre France Telecom und Gerhard Schmid zerstritten hatten über die Geschwindigkeit des UMTS-Netzaufbaus. Nach einer Schlammschlacht wurde Schmid als Firmenchef entmachtet und musste die Verfügungsgewalt über seine Aktien abgeben. France Telecom musste die Milliardenkredite aus dem UMTS-Abenteuer übernehmen, die ansonsten Mobilcom in die Pleite gerissen hätten. Mobilcom selbst musste als Sanierungsbeitragg kräftig Personal abbauen und hatte zum Jahresende mit rund 3.900 Mitarbeitern fast 2.000 Beschäftigte weniger unter Vertrag.

Weitere Informationen:

  • Mobilcom-Website

    27.3.2003 11:09