Provider zensurieren alternative US-Medien
- Schere im Kopf der "Patrioten" verletzt Pressefreiheit
- Zensur durch den Provider mehrmals zugeschlagen
·Al-Jazeera
Im WWW: Englische Version erhältlich
·Konflikt im Irak
Aktuelle Karten im Internet erhältlich
·E-Mail-Wurm
Irak Infos tragen Virus im Gepäck
·WWW-Attacke
GB: Seite der Regierung gehackt
·Irak-Krieg
Heimische Technik am Golf im Einsatz
·Kriegsfolgen
Israel zensuriert erste Webseiten
·Run auf News
Informationsseiten sind sehr gefragt
Immer mehr US-Websites bekommen Probleme mit Providern ob ihrer alternativen Berichterstattung über den Irak-Krieg. Manche Provider sperren kurzerhand den Zugang zu Sites und begründen dies mit deren "unpatriotischem" oder "anstößigem" Inhalt. In der Regel können sich die privaten Zensoren weder auf gesetzliche Grundlagen noch auf inhaltliche Fehler in den Berichten berufen. Jüngstes Opfer dieser Zensur selbstdefinierter "Patrioten" ist Yellowtimes.org, die auch die speziell zum Irak-Krieg gelaunchte Site NewsfromtheFront.org betreiben. Stein des Anstoßes waren zwei aktuelle Bilder aus dem Irak.
Die YellowTimes-Redaktion rund um Erich Marquardt kann bereits auf eine erfolgreiche Vergangenheit als Anbieter aktueller Informationen, die von den Mainstream-Medien ignoriert werden, verweisen. Im Cache von Google finden sich einige YellosTimes-Meldungen – beispielsweise wurde über den (wahrscheinlich irrtümlichen) US-Raketenbeschuss der iranischen Öl-Stadt Abadan berichtet, bei dem eine petro-chemische Anlage beschädigt und mindestens ein Iraner verwundet wurde.
Am Montag hat YellowTimes das Bild eines amerikanischen Kriegsgefangenen sowie eines getöteten irakischen Kindes veröffentlicht. Prompt wurde der Zugriff auf die Website durch den ISP Vortech Hosting gesperrt. Die Bilder sind Screenshots von ursprünglich vom TV-Sender Al-Jazeera ausgestrahltem Material, welches später von diversen europäischen Sendern übernommenen wurde. Nachdem Marquardt die Bilddateien entfernt hatte, wurde die Zensur der gesamten Site nach einer insgesamt zweistündigen Dauer wieder aufgehoben. Die Redaktion veröffentlichte in der Folge eine Darstellung des Vorfalles. Allerdings ist diese Darstellung nicht zugänglich, da jeder Aufruf von YellowTimes.org oder NewsfromtheFront.org nur die Information "Account for domain yellowtimes.org has been suspended" zu Tage fördert. Die Zensur durch den Provider hat erneut zugeschlagen.
"Unangebrachtes grafisches Material"
Vortech Hosting hatte sich auf Druck von Seiten des Backbone-Providers Level3.net berufen. Bei der britischen Niederlassung von level3.net wusste man nichts über den Vorfall. Derweil lassen E-Mails von Vortech an YellowTimes einen anderen Hergang vermuten: "Es tut uns Leid sie von der Stilllegung ihres Accounts zu informieren. Das Konto wurde aufgrund unangebrachten graphischen Materials supendiert." In einem zweiten Mail wurde der ISP etwas genauer: "As 'NO' TV station in the US is allowing any dead US solders or POWs to be displyed (sic) and we will not ether (sic)." Zum Zeitpunkt des zweiten Mails hatten aber bereits Sender in ganz Amerika die Bilder ausgestrahlt. Nach wir vor flimmert jedenfalls extensives Bildmaterial gefangener irakischer Soldaten über die diversen US-TV-Sender. Die Herstellung der Aufnahmen stellt einen Verstoß gegen die Genfer Konvention dar, liegt aber im Interesse der amerikanischen Propaganda. Für CNNs Aaron Brown ist die Ausstrahlung kein Problem, denn die "Familien (der Gezeigten) schauen nicht zu". Zumindest eine überraschende Unterschätzung der eigenen Reichweite. Die Reichweite von YellowTimes.org und NewsfromtheFront.org bleibt derweil Dank Vortech Hosting bei Null. (pte/red)
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