Offizielle englische Version von Al-Jazeera im Internet
- Kritik an US-Berichterstattung aus dem Irak geübt
- Nachrichtensender gilt als besonders kritisch
·Konflikt im Irak
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Seit gestern steht eine englische Version des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera im Internet. Erste Berichte setzen sich kritisch mit der US-Berichterstattung aus dem Irak auseinander. Ein Augenzeuge berichtet aus Bagdad über Tote und Zerstörungen unter Zivilisten und an einem historischen Palast durch das Bombardement.
Die Chefredakteurin der englischen Online-Ausgabe ist Joanne Tucker, eine ehemalige BBC Journalistin, die sowohl die britische wie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft hat, und fließend arabisch spricht. Al-Jazeera hat Korrespondenten in allen wichtigen Kampfzonen des Krieges, darunter auch Basra, Mosul und Bagdad. Das redaktionelle Programm werde ausgebaut, sicherte Tucker zu, das Layout des bisherigen Angebots ist noch provisorisch, die Response-Zeiten der Server zeitweilen sehr langsam.
Al-Jazeera wird oft als CNN der Araber bezeichnet, gemeint ist damit die professionelle Arbeit der Redakteure, wie auch das breite Korrespondenten-Netzwerk, über das Al-Jazeera an allen Brennpunkten der arabischen Welt verfügt. Der seit 1996 bestehende Sender ist im Golf-Scheichtum Qatar beheimatet, dessen Herrscher eine Anschubfinanzierung von 150 Millionen Dollar gewährte und sich jeder Einmischung in die Sendegestaltung enthielt.
Berüchtigt: Kritische Berichterstattung
Der journalistische Erfolg baut auf einen kritischen Stil im Umgang mit allen Politikern: Die normalerweise von ihren staatlichen Sendern umschmeichelten arabischen Politiker sehen sich mit nicht abgesprochen Fragen, ungefilterten Zuschaueranrufen und oppositionellen Gesprächspartnern konfrontiert. Nicht nur die US-Regierung, auch fast jeder arabische Staatschef ist bereits in Qatar vorstellig geworden, um sich zu beschweren. Arafat ließ Büros des Senders schließen, weil er auch über israelische Positionen berichtet. Das Simon Wiesenthal-Center in Los Angeles beschuldigte Al-Jazeera, antisemitische Inhalte zu verbreiten, während die syrische Regierung Kritik wegen "zu vieler Interviews mit israelischen Politikern" äußerte.
Kurz vor dem Einmarsch in Kabul warfen amerikanische Flugzeuge eine 500-Pfund-Bombe auf die Studios des beliebten arabischen Satelliten-Fernsehsenders. Unmittelbar nach diesem Angriff erklärte der Londoner Bürochef des Senders, Muftah Al Suwaidan, der Zeitung The Guardian: "Das Büro von Al-Jazeera befindet sich im Herzen von Kabul. Das Gebäude wurde als einziges getroffen, das Ganze sieht nach Absicht aus."
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