Freitag, 28. März 2003

Wifo & IHS senken Wachstumsprognose '03 kräftig

  • Auf 1,1 bzw. 1,5 % - 2004 BIP-Plus von 1,7 bzw. 2,5% erwartet
  • Starke Unsicherheiten durch Irak-Krieg

Österreichs Konjunkturforscher bei Wifo und IHS stufen ihre Wachstumsprognose für 2003 erneut kräftig zurück. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) dürfte das BIP heuer real nur um 1,1 Prozent zulegen, im Dezember hatte das Wifo noch 1,7 Prozent für dieses Jahr angenommen. Das Institut für Höhere Studien (IHS) ist mit 1,5 Prozent auch diesmal optimistischer, hat seine Erwartungen jedoch gegenüber der Dezember-Prognose (2,1 Prozent) ebenfalls um 0,6 Prozentpunkte gesenkt. Für 2004 gehen Wifo und IHS nun von 1,7 bzw. 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum aus, nach zuletzt 2,3 bzw. 2,6 Prozent.

Laut Wifo stellt es eine Premiere dar, dass Österreichs Wirtschaft 2003 voraussichtlich zum dritten Mal in Folge um nur etwa ein Prozent wachsen wird. Ein so geringes Wachstum über drei Jahre hinweg sei bisher noch nie beobachtet worden. Grund für die sich heuer fortsetzende Stagnation sei die anhaltende Schwäche der Inlandsnachfrage, zu der noch die wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Instabilitäten kommen. Die schlechte Wirtschaftslage werde einen weiteren Anstieg von Arbeitslosigkeit und Budgetdefizit zur Folge haben.

Das IHS senkt seine Wachstumsprognose für 2003 vor allem auch wegen der verschlechterten kurzfristigen Konjunkturaussichten für Europa, insbesondere Deutschlands. Ausgehend von den USA werde sich jedoch die europäische Konjunkturdynamik im Jahresverlauf wieder beschleunigen, wozu die bisher aufgeschobene Nachfrage nach Investitions- bzw. langlebigen Konsumgütern beitragen sollte.

Ein lang dauernder Irak-Krieg würde zusammen mit stark steigenden Ölpreisen die Weltkonjunktur deutlich dämpfen, warnte das IHS am Freitag bei der Vorlage der neuen Prognosedaten durch die beiden Institute. Insbesondere in Europa könnte der vorherrschende Pessimismus den erwarteten Aufschwung noch weiter verzögern. Nach Beendigung des Irak-Kriegs sollten sich die Stimmungsindikatoren jedoch deutlich verbessern und die Lage auf den Finanzmärkten stabilisieren.

Für 2004 sind die Unsicherheiten besonders groß und daher die Annahmen noch sehr vage, betonen die Wirtschaftsforscher. Ein Konjunkturaufschwung scheint aus Sicht des Wifo in Europa nur möglich, wenn die weltweiten Unsicherheiten wegfallen und die Rohstoffpreise merklich zurückgehen. Das Wifo nimmt für heuer und 2004 einen Ölpreis von 29 bzw. 23 Dollar pro Fass an, das IHS geht von 28 bzw. 25 Dollar aus. Für den Wechselkurs werden 1,08 bzw. 1,06 Dollar je Euro angenommen, derzeit liegt der Euro knapp unter 1,07 Dollar.

28.3.2003 12:03