Donnerstag, 27. März 2003

HypoVereinsbank: Bis zu 25%der BA-CA an die Börse

  • Noch vor viertem Quartal 2003 - Rückkehr auf das Wr. Parkett

Zwei Jahre, nachdem die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) infolge der Fusion mit bayerischen HypoVereinsbank (HVB) von der Wiener Börse genommen wurde, kehrt die größte Bank in Österreich hierher zurück: Ab Mitte bis Ende Juni wird die BA-CA wieder in Wien notieren. Die HypoVereinsbank gibt über eine Kapitalerhöhung bis zu 25 Prozent der BA-CA-Aktien an Streubesitz-Aktionäre ab. Damit wird der Wiener Kurszettel, im Finanzbereich bisher von der Erste Bank dominiert, wieder um einen schweren Banktitel reicher.

Nach Worten von HVB-Konzernchef Dieter Rampl wird die BA-CA als Teilkonzern für Österreich und Osteuropa nach der Abtrennung der HVB-Immobiliensparte "noch wichtiger als heute". "Wir heben den Wert unserer Beteiligung BA-CA deutlich hervor", meinte er am Donnerstag in München. Dass die HypoVereinsbank bei der BA-CA das Rad der Geschichte nun zum Teil aber wieder zurückschraubt, liegt am immensen Kapitalbedarf der HVB, in der im Jahr 2002 Milliardenabschreibungen auf kritische Kredite und Börsenkursstürze Blutspuren in der Bilanz hinterlassen hatten. Der BA-CA-Börsengang dient der Kapitalbeschaffung.

In Finanzkreisen war am Donnerstag von einem "Befreiungsschlag" für Wien die Rede, was im Münchener Konzern freilich nicht so gesehen wird. "Natürlich geben wir Teile des Gewinns der BA-CA durch das IPO an andere Aktionäre weiter", räumte Rampl ein. Dies allerdings wäre auch über eine Kapitalerhöhung in der HVB selbst mit entsprechender Dividendenausschüttung der Fall gewesen. "Wir bleiben in einer komfortablen Mehrheit in der BA-CA", betonte Rampl. Die HVB will jedenfalls nicht mehr als 25 Prozent an der BA-CA ans Börsepublikum abgeben, auch in Zukunft nicht.

Welchen Erlös sich die HVB aus dem Going-public ihrer bisherigen hundertprozentigen Wiener Tochter erwartet, wurde noch nicht bekannt gegeben. Aus mehreren Gründen: Zum einen sei die heutige BA-CA, die nach dem Abtausch von Auslandstöchtern in den letzten zwei Jahren ja auch mehrere Osteuropa-Banken der HVB übernommen hatte, nicht mehr mit der Bank vor zwei, drei Jahren vergleichbar. Zum anderen ist noch offen, ob zum Going-public nicht auch noch die Operationen in Moskau (IMB) oder im Baltikum eingebunden würden. Der Buchwert der BA-CA-Aktie, so wie sie jetzt strukturiert ist, lag 2002 in der Gegend von 40 Euro je Aktie, gerechnet an einer aktuellen Kapitalausstattung von 6,8 Prozent (Tier 1).

Mit der Kapitalerhöhung gestärkt steht die BA-CA selber vor pralleren Geldbörsen für weitere Akquisitionen in Zentral-Osteuropa, wie ein Sprecher aus Wien betonte.

Die in der Nacht auf Donnerstag im HVB-Aufsichtsrat gefassten Beschlüsse hatten am Markt für einige Überraschung gesorgt. Auch in der Bilanzpressekonferenz in München musste sich HVB-Chef Rampl fragen lassen, warum ein kaufwilliger Aktionär in Zukunft bei der HVB einsteigen sollte und nicht bei der ab Juni ebenfalls börsenotierten weitaus profitableren Bank Austria Creditanstalt: "Warum? Weil auch die HypoVereinsbank ganz anders dastehen wird als heute, wenn sie ihre Hausaufgaben gemacht hat."

Das mag nach Branchenkreisen jene österreichischen Aktionäre zunächst wenig trösten, die seinerzeit ihre BA-CA-Akiten in HVB-Papiere umgetauscht bekamen, und deren HVB-Aktien heute mit 7,78 Euro nur mehr einen Bruchteil des Ausgangskurses wert sind. Aus Österreich sind dies neben tausenden Kleinaktionären auch die AVZ-Stiftung, heute mit 5,2 Prozent drittgrößter HVB-Aktionär, oder auch die Wiener Städtische mit etwas mehr 1 Prozent. Pikant: Neben der Stadt Wien-nahen AVZ bleiben auch die so genannten "Betriebsratsaktien" Anteilseigner der HVB. "Wenn sie beim IPO nicht mitmachen, sind sie in Wien nicht dabei", so der HVB-Vorstand lapidar.

Die HypoVereinsbank hat 2002 einen Rekordverlust von 858 Mio. Euro erlitten. Dass damit das schlimmste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte eingefahren wurde, daran änderte auch der satte - wenngleich geschrumpfte - Gewinnbeitrag der BA-CA nichts. Zum ersten Mal seit Kriegsende bekommen die HVB-Aktionäre keine Dividende. Im Vergleich mit der Mutter viel besser gehalten hatte sich die BA-CA, die "nur" einen Gewinnknick von 23 Prozent erlitt und einen Jahresüberschuss vor Steuern von 504 Mio. Euro erzielte. Dieses Ergebnis fließt zwar in die HVB-Konzernbilanz voll ein, wird in München aber durch Firmenwertabschreibungen und Refinanzierungskosten reduziert, sodass "oben" für die Konzerndivision "Österreich/CEE" noch 319 Mio. Euro Vorsteuergewinn ankamen. Zum Vergleich: Das HVB-Deutschland-Geschäft brachte 1,4 Mrd. Euro Verlust.

Von den konzernweit 8,5 Millionen Kunden kommen heute 40 Prozent aus den doppelt so schnell wachsenden Märkten Zentral/Osteuropas und 60 Prozent aus den eher gesättigten Räumen Deutschland (35 Prozent) und Österreich (25 Prozent). Mittelfristig sieht sich die HVB als Großbank für Privat- und Firmenkunden in diesen Gebieten "gut positioniert". Das Regionenkonzept werde fortgeführt, "die Bank der Regionen ist nicht tot". Weiter zurückziehem wird sich die HVB hingegen aus Übersee.
(Schluss) rf/cs/wyk

27.3.2003 07:00