Montag, 24. März 2003

Reiseflaute: TUI muss Sparkurs verdoppeln

  • Bis zu 2.000 Stellen des Touristikkonzerns gefährdet
  • TUI Österreich: Sparen bei IT- und Werbekosten (Kasten re.)

Europas größter Touristikkonzern TUI hat angesichts der anhaltenden Reiseflaute sein Sparprogramm für 2003 um mehr als das Doppelte auf 260 Mio. Euro erhöht. Dies kann nach Konzernangaben den Wegfall von insgesamt bis zu 2.000 Stellen bedeuten. Das Kostensenkungsprogramm werde auch 2004 fortgesetzt und solle dann weitere 100 Mio. Euro einbringen, teilte TUI am Montag mit. Entlassungen sollten aber "so weit wie möglich vermieden werden".

Zusammen gerechnet bedeutet das bei TUI für beide Jahre ein Sparvolumen von 360 Mio. Euro. Bisher hatte TUI für 2003 ein Sparvolumen von 111 Mio. Euro vorgesehen. Unter dem Eindruck weiterhin rückläufiger Buchungseingänge seit Beginn der Irak-Krise hatte TUI ein zweites Sparprogramm angekündigt, das am Freitag auch dem Aufsichtsrat vorgestellt worden war.

"Wir werden mit diesen Maßnahmen die Ertragskraft des TUI-Konzerns weiter stärken und seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhen", sagte Konzernchef Michael Frenzel in einer Mitteilung. Damit werde auch der Weg für weiteres profitables Wachstum der TUI AG geebnet. TUI war bereits im vorigen Jahr auf Grund des schwierigen Reisegeschäfts nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Ergebnis unter Druck geraten. Auch der Konkurrent Thomas Cook hatte kürzlich sein Sparprogramm für 2003 auf 250 Mio. Euro ausgeweitet und den Abbau von 500 Stellen angekündigt.

TUI verzichtete auf eine konkrete Angabe zum Stellenabbau. Rein rechnerisch bedeuteten die jüngsten Beschlüsse im Personalbereich eine Einsparvorgabe von umgerechnet etwa weiteren 1.000 Stellen, bestätigte ein TUI-Sprecher auf Nachfrage. Bereits das erste Paket für 2003 sieht den Wegfall von 1.000 Stellen vor. Im Konzern werde "jeder Stein umgedreht", hatte Frenzel vor wenigen Tagen bei der Tourismusmesse ITB in Berlin angekündigt.

Nach den Worten von TUI-Sprecher Nikolai Juchem könne der Stellenabbau auch geringer ausfallen. Entscheidend sei, dass von dem auf 260 Mio. Euro aufgestockten Sparpaket knapp 100 Mio. auf den Personalbereich entfallen. Um diese Summe zu erwirtschaften, werde TUI auf mehrere Instrumente zurückgreifen, darunter Altersteilzeit, unbezahlten Urlaub, aber auch Nichtbesetzung frei gewordener Stellen und Nichtverlängerung befristeter Verträge.

Für 2004 sollen allein in der Konzernzentrale in Hannover rund 100 Stellen, das wären rund ein Viertel der Beschäftigten, wegfallen. Es gehe darum, die Funktionen in der Zentrale zu optimieren und die Strukturen schlanker zu gestalten.

Der Kurs der TUI-Aktie, der in der vorigen Woche angesichts der Hoffnung auf ein schnelles Kriegsende in Irak auf rund elf Euro gestiegen war, gab am Montagvormittag um fast neun Prozent auf 10,12 Euro nach. Händler sagten, es sehe eben doch nicht nach einem kurzen Krieg aus.

24.3.2003 16:05