Samstag, 29. März 2003

Blamagen für Deutschland und Russland in EM-Quali

  • Albanien, Litauen und führten Zwergen-Aufstand an
  • Rumäniens Teamchef trat nach 2:5-Heimniederlage zurück

Albanien gegen Russland 3:1, Deutschland gegen Litauen 1:1 und Wales mit dem Maximum von zwölf Zählern aus vier Spielen fünf Punkte vor Italien Tabellenführer - Die Samstag-Spiele der Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal brachten Ergebnisse ganz nach dem Geschmack der Wettbüros, die WM-Teilnehmer rieben sich hingegen nach den Blamagen in Shkoder und Nürnberg verwundert die Augen.

Vize-Weltmeister Deutschland war schon beim glücklichen 2:1-Heimsieg gegen die Färöer (als nur die Stange Oliver Kahn und Co vor einem Punktverlust bewahrt hatte) angezählt worden, der Tiefschlag erfolgte am Samstagabend in Person von Tomas Razanauskas. Der Ausgleich zum 1:1 stürzte die DFB-Elf nicht nur in neuerliche Selbstzweifel, sondern auch von der Tabellenspitze der Gruppe fünf.

Völler verzweifelt
Teamchef Rudi Völler schlug danach in der Kabine Alarm - den seit der WM stehen nur zwei Siege in sieben Spielen zu Buche. "Wir haben zwei Punkte verloren, das tut weh. Wir haben alle gewarnt, dass es schwer wird, wenn man nachlässig wird. Und wir sind dann nachlässig geworden. Es darf einfach nicht alles so selbstverständlich sein. Wir müssen immer alles tun, um diese Euphorie zu halten, unsere Punkte einfahren, hin und wieder auch guten Fußball zeigen. Wir müssen immer am Limit spielen, aber vielleicht war es ein rechtzeitiger Schuss vor den Bug", so der DFB-Teamchef.

Schotten in Führung
Berti Vogts wird sich ins Fäustchen gelacht haben. Der deutsche Team-Manager der Schotten übernahm durch den 2:1-Heimerfolg gegen Island nun die Führungsposition. Das erste von zwei Duellen mit "McBerti" am 7. Juni in Glasgow wird nun wohl zum ersten Endspiel um die Direkt-Fahrkarte zur EM-Endrunde.

Schweiz weiter top
Die Schweiz war ohne zu spielen der große Sieger des albanischen Sensations-Erfolgs gegen Russland. Die Fans in Shkoder waren nach den Treffern von Rraklli, Lala und Tare aus dem Häuschen, die hohen Favoriten hingegen schlichen wie begossene Pudel vom Platz. Die Schweizer, Österreichs EM-Partner 2008, bleiben damit an der Tabellenspitze und sind im Falle eines Erfolgs am Mittwoch in Georgien wohl schon 2004 "Europareif".

Solo für Frankreich
In der Gruppe 1 sieht es ganz nach einem Solo für Titelverteidiger Frankreich aus. Henry, Zidane und Co zeigte beim 6:0-Kantersieg gegen Malta in Lens schöne Tore, zudem gab "Verfolger" Israel mit dem 1:1 auf Zypern (den Treffer der Hausherren erzielte der Ex-LASK-Stürmer Rauffmann) erneut Punkte ab. In Gruppe 2 löste Dänemark mit dem 5:2-Kantersieg in Rumänien eine "Fußball"-Revolution aus, Teamchef Anghel Iordanescu und Kapitän Gheorghe Popescu traten zurück.

Ungarn ohne Niederlage
In der Gruppe 4 bleibt Ungarn nach dem 0:0 in Polen weiter ungeschlagen und Lettland damit sensationell Tabellenführer. Weniger überraschend ist hingegen die Leader-Position von Spanien in Gruppe 6. Die Stars von Real, Valencia und La Coruna verloren mit dem 2:2 gegen die Ukraine in Kiew (Zuschauerrekord des Samstags mit über 80.000 Fans) zwar ihren Hundert-Prozent-Rekord, aber der Punkt hilft den Gästen wohl mehr als Schewtschenko und Co.

Becks mit Torerfolg
In Gruppe sieben blieb England mit dem 2:0 in Liechtenstein (Treffer von Owen und Beckham/Freistoß) auf den Fersen von Spitzenreiter Türkei. Austria-Legionär Vladimir Janocko bereitete beim 2:0-Erfolg der Slowakei (auch Peter Hlinka von SW Bregenz spielte durch) in Mazedonien den ersten Treffer mit einem Freistoß vor. In Gruppe acht darf Kroatiens Teamchef Otto Baric nach dem 4:0-Kantersieg gegen Belgien in Zagreb nicht nur durchatmen, er lief sogar wieder zu früherer Hochform auf: "Diese können noch besser", meinte ein euphorischer Ex-ÖFB-Trainer.

Wales weiter sensationell
Die Sensation der bisherigen EM-Qualifikation ist aber Wales. Seit der WM 1958 spielten die "Dragons" bei keiner Endrunde mehr, aber 46 Jahre später könnte es wieder so weit sein. Vor ausverkauftem Haus gab es im Millennium Stadium eine 4:0-Erfolg gegen Aserbaidschan, Italien bleib aber mit 2:0 (Vieri-Doppelpack) gegen Finnland in Palermo zumindest in Lauer-Position.

29.3.2003 21:47