ÖFB-Teamchef Krankl erwartet schwieriges 2. Jahr
- "Riesengroßes Problem ist, alles könnte schlechter werden"
Man sagt im Fußball, für einen Aufsteiger ist die zweite Saison die schwierigste. Das könnte auch auf Hans Krankl zutreffen. Am Donnerstag wird es genau ein Jahr, dass Krankl erstmals einer ÖFB-Nationalmannschaft als Teamchef vorstand. Dem gelungenen Debüt gegen die Slowakei (2:0) folgten Monate des Sondierens, und die Entwicklung ist immer noch nicht abgeschlossen. Doch die Fans wollen nicht nur eine Perspektive für ein junges Team, sondern auch Ergebnisse. Ein Spagat, der unter den gegenwärtigen Voraussetzungen nicht einfach zu schaffen ist.
Krankl ist als Hoffnungsträger des österreichischen Fußballs angetreten, der im Hinblick auf die Heim-EM 2008 einen Generationswechsel vollziehen soll. Das tat er gründlich. In den acht Spielen 2002 kamen nicht weniger als 39 Spieler zum Einsatz, 19 davon debütierten im Nationalteam. Im 20 Mann-Kader für die Partie gegen Griechenland am (heutigen) Mittwoch hatten lediglich fünf Spieler (Herzog, Schopp, Flögel, Weissenberger, Haas) mehr als zehn Länderspielen, sechs Youngsters (Kollmann, Payer, Hieblinger, Katzer, Ivanschitz, Riegler) dagegen noch kein einziges absolviert.
Stamm gefunden
"Es ist eine andere Mannschaft wie unter (Vorgänger Otto) Baric, eine jüngere. In der EM-Qualifikation haben wir zwei Siege und eine Niederlage gegen die Niederlande, von der Statistik müssen wir zufrieden sein. Der Stamm ist gefunden, das sind zehn, zwölf Mann, der wird diese Qualifikation bestreiten", bilanziert Krankl.
Spieler mit frustrierender Gegenwart
Dennoch, hinter der Bilanz versteckt sich wenig Erfreuliches. Viele von Krankls Männer für die Zukunft haben eine frustrierende Gegenwart. Ob die Torhüter Manninger oder Macho, die Verteidiger Dospel, Hiden und auch Routinier Baur, die Mittelfeldspieler Kahraman, Panis oder Kitzbichler, die Stürmer Linz oder Parapatits - sie alle sind keine Stammspieler bei ihren Vereinen, nehmen meist auf der Ersatzbank oder der Tribüne Platz, mit Mittelfeld-Rakete Lexa steht einer sogar seit seiner einvernehmlichen Vertragslösung mit CD Teneriffa ohne Klub da.
Probleme mit den Stürmern
Und wenn, wie aktuell, noch Leute wie Wallner oder Akagündüz ausfallen, wird ein 26-jähriger Länderspiel-Neuling (Kollmann) zum offensiven Hoffnungsträger. Vor allem die Situation der Stürmer bereitet Krankl auch die größten Sorgen. "Linz sitzt auf der Tribüne, Mayrleb hat sich verletzt, dann sind wir schon bei Herzog als Angreifer", sagt der Teamchef, der als "Goleador" einst für Schrecken im gegnerischen Strafraum gesorgt hat.
Krankl sieht sich als Leidtragender
Der 50-Jährige hat die Geschicke aber nur beschränkt selbst in der Hand, die Vereinstrainer sind seine Zulieferer. "Als Teamchef bist du der Leidtragende. Die Situation hat sich nicht dramatisch verändert, ist nicht schlechter geworden, aber auch nicht besser. Ich habe mir mehr erhofft und erwartet. Das einzige riesengroße Problem ist, dass alles schlechter werden könnte. Leicht ist es für das Team nicht, auch in naher Zukunft wird es nicht leichter werden. Ich glaube, das haben mittlerweile schon alle begriffen", erklärt Krankl. Denn Alternativen, so der Teamchef, gibt es derzeit nicht.
EM-Quali geht in entscheidende Phase
Die Qualifikation für die EURO 2004 geht derweil mit dem Spiel gegen Tschechien (am kommenden Mittwoch in Prag) in die entscheidende Phase. "Wir werden um jeden Punkt kämpfen", verspricht Krankl, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, dass seine Truppe im Herbst in Wien gegen Tschechien noch eine entscheidende Partie um Platz zwei und damit die Chance auf die erstmalige EM-Teilnahme hat.
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