Dienstag, 25. März 2003

Die fetten Jahre sind vorbei, auch UEFA auf Sparkurs

  • Generaldirektor Aigner: "Logische Rückbildung"
  • Lizenzierungsverfahren für europäische Klubs ab 2004

Die globale Wirtschaftsflaute hat auch in den internationalen Fußball-Gremien tiefe Spuren hinterlassen. Der Weltverband (FIFA) rutschte im vergangenen Jahr trotz eines drastischen Kostensenkungsprogramms erstmals in seiner Geschichte in die roten Zahlen. Und auch für die Europäische Fußball-Union (UEFA), die den 52 Mitgliedsverbänden auf dem Kongress am Donnerstag in Rom ihre Geschäftszahlen präsentiert, gehören die fetten Jahre der Vergangenheit an.

Zwar spricht Schatzmeister Mathieu Sprengers von einer "sehr guten Finanzlage der UEFA". Doch der Präsident des niederländischen Verbandes musste zugleich einräumen, dass auch der Kontinental-Verband mit sinkenden Einnahmen - bedingt durch die Talfahrt an den Börsen und die Einbrüche der Medienbranche - zu kämpfen hat. UEFA-Generaldirektor Gerhard Aigner sieht allerdings darin keine dramatische, sondern eine vorhersehbare Entwicklung: "In der Vergangenheit wurden vom Fernsehen Preise bezahlt, die nichts mit dem ökonomischen Wert der Ware Fußball zu tun hatten. Das waren politische Preise."

Die nun erfolgte "logische Rückbildung" (Aigner) hat vor allem die Champions League zu spüren bekommen. In dieser Saison verteilt die UEFA noch die Rekordsumme von 1,1 Mrd. Schweizer Franken (746 Mio. Euro) an die teilnehmenden Klubs als Garantiesumme, so viel wie nie zuvor. Im kommenden Jahr aber stellt der Verband der reformierten Elite-Liga, in der die Zwischenrunde wegfallen wird, nur noch 850 Mio. Franken (576 Mio. Euro) in Aussicht. Und selbst die scheinen angesichts der stockenden Verhandlungen mit den TV-Sendern noch nicht restlos gesichert. Italien, Spanien und Deutschland sind inzwischen zu Problemmärkten geworden.

Europaweites Lizenzierungsverfahren ab 2004
"Wir müssen uns für regnerische Tage rüsten", forderte Sprengers deshalb vor der Sitzung der UEFA-Spitze in Rom. Dabei soll der Hebel in erster Linie bei den Vereinen angesetzt werden. Alarmiert von den Nachrichten über horrende Schulden vor allem bei den Klubs in Südeuropa, will die UEFA die Vereinschefs von 2004 an mit einem europaweit einheitlichen Lizenzierungsverfahren zum Umdenken zwingen. Die Zustimmung in der UEFA-Spitze dafür gilt als sicher. "Der Grund dafür ist nicht, die Klubs profitabel zu machen, sondern sie solide wirtschaften zu lassen, damit sie auf sicherer Basis an den Wettbewerben teilnehmen können", erläuterte Aigner.

So dürfen die Vereine künftig nur noch eine bestimmte Summe für Personalkosten aufwenden, die sich nach der Ertragskraft des Klubs richtet. Wer nicht mitzieht, wird nicht mehr zu den Europacup-Bewerben zugelassen - ungeachtet von Namen oder Traditionen. "Es muss gleiches Recht für alle gelten. Deshalb kann und darf es keine Lex Lazio oder Lex Atletico oder keine Lex für irgendjemanden geben. Sonst werden wir doch unglaubwürdig", sagte Aigner. In Österreich stößt diese Politik auf Zustimmung. Schließlich hat die Bundesliga kürzlich ihr Lizenz-Handbuch an die neuesten Erkenntnisse und Bestimmungen der UEFA angepasst. Die neuen Maßstäbe gelten in Österreich sogar von der Saison 2003/04 an.

25.3.2003 11:53