In Malaysia hat die Zukunft der Formel 1 begonnen
- Presse jubelt über Räikkönen und Alonso; Kritik an Schumacher
- PLUS: Alles über das Formel-1-Wochenende in Malaysia
·B. Ecclestone
Auch 2005 kein F1- GP in Österreich
·Malaysia-GP
Räikkönen feiert
1. Grand-Prix-Sieg
·Malaysia-Bilder
Räikkönens 1. Sieg und Schumis Crash
Die Formel 1 als erfrischender Jungbrunnen! Nach nur zwei WM-Rennen in Australien und Malaysia ist offensichtlich, dass der im Vorjahr so langweilig gewordene GP-Sport dank neuer Regeln wieder zum Hit geworden ist. Die Erfolge der Jung-Stars Kimi Räikkönen (23) und Fernando Alonso (21) tragen dazu bei. "Beide sind kommende Champions", gab auch der in Sepang zweitplatzierte Ferrari-Pilot Rubens Barrichello (30) zu.
Während die italienische Presse am Montag mit dem sechstplatzierten Michael Schumacher kritisch umging und seine Vorstellung von "fehlerhaft" (La Stampa) bis "katastrophal" (Il Nuovo) einstufte und seinen Crash mit Jarno Trulli sogar als "Anfängerfehler" (Gazzetta) bezeichnete, überschlug sich die spanische und vor allem die finnische Presse mit Lob und Jubel über Sieger Räikkönen und dem dritten Platz von Renault-Pilot Alonso. Aber selbst in Italien glaubt man zu wissen: "In Malaysia hat die Zukunft der Formel 1 begonnen", schrieb etwa die Zeitung "Liberta".
Die finnische Tageszeitung Iltalehti schrieb über Räikkönen: "Sein erster Sieg kann eine Riesen-Auswirkung haben, fragt nur (Slalom-Weltcupsieger) Kalle Palander. Auch Rallye-Weltmeister Tommi Mäkinen kam zu Wort: "Es ist unglaublich, wie schnell dieser Bursche auf dieses Niveau gekommen ist." Ilta Sanomat schrieb: "Experten wussten schon lange, dass Kimi aus dem Stoff der Champions ist." Helsingin Sanomat meinte: "Die Formel 1 ist nicht mehr so kalt wie viele gedacht haben."
Räikkönens Vater jetzt mit Glatze
Selbst der so zurückhaltende Räikkönen ging erstmals aus sich heraus. Während sich sein Vater Matti nach dem Sieg eine Glatze scheren ließ, meinte der aus einfachsten Verhältnissen stammende Kimi: "Mein nächstes Ziel ist die WM. "Es ist toll, sie anzuführen. Ich hoffe, dass ich das auch nach meinem letzten Rennen tun kann." McLaren-Teamchef Ron Dennis sieht nun eine große Zukunft für Räikkönen. "Er wird ab sofort ein noch schnellerer Pilot sein, denn ab jetzt hat er keinen Druck mehr."
Zu den "jungen Wilden" gehört freilich auch Jenson Button, der als Siebenter die ersten Saison-Punkte für BAR holte und im internen Emotions-Duell mit dem 31-jährigen Jacques Villeneuve immer mehr an Boden gewinnt. Zwischen diesen beiden funkt es ja nicht erst seit dem Saisonauftakt in Melbourne gehörig.
Der 24-jährige Minardi-Pilot Justin Wilson war ein unbedankter Held in Malaysia. Ein Teil des in der Formel 1 erstmals verwendeten neuen HANS-Systems drückte so sehr auf einen Nerv, dass der groß gewachsene Brite lange Zeit mit "gelähmtem" linken Arm fuhr. Das Team benötigte acht Minuten, um den Fahrer nach dem Rennen aus dem Auto zu bekommen. Nach einer Nacht im Krankenhaus und einigen Schmerz-Injektionen war Wilson aber wieder wohlauf.
Zufriedenheit auch bei Renault
Neben Zweifach-Sieger McLaren-Mercedes dominiert auch bei Renault Zufriedenheit. "Wir sind zwar nicht das schnellste Team, weil uns viele PS fehlen, aber das Chassis ist eines der besten und wir können überall auf das Podest fahren", meinte der technische Direktor Mike Gascoygne.
Ferrari wird trotz der verlorenen Dominanz auch in zwei Wochen in Brasilien auf das "alte" Auto vertrauen. Der neue, nach Gianni Agnelli benannte F2003-GA ist zwar schneller, zwei schwere Test-Unfälle verzögern aber den Einsatz. Er wird deshalb erst am 20. April in Imola zu sehen sein. "Es wäre dumm, jetzt etwas zu forcieren, was sich im Nachhinein als überstürzt erweisen würde", meinte auch Schumacher.
Er warnt: "Man darf aus zwei Rennen unter speziellen Bedingungen keine falschen Schlüsse ziehen. Wir befinden uns auch nicht in der Krise. Unser altes Auto ist immer noch schnell genug." Zwei Fehler in aufeinander folgenden Rennen seien "für ein menschliches Wesen" auch nichts Ungewöhnliches.
