Annemarie Moser-Pröll feiert ihren "Fünfziger"
- Österreichs Jahrhundertsportlerin sammelte Titel
·Steckbrief
"Annamirls" Leben in Wort und Bild
Einfach nicht zu glauben. Nun ist auch das "Annamirl" ein halbes Jahrhundert alt. Annemarie Moser-Pröll feiert heute ihren 50. Geburtstag. Nur einige Wochen nach Fußball-Legende Hans Krankl, zu dessen Wiegenfest die erfolgreichste Ski-Rennläuferin aller Zeiten die Laudatio gehalten hatte.
Noch ist den älteren Zeitgenossen in Erinnerung, wie ein schüchternes junges Mädchen von einem Bergbauernhof in Kleinarl im Salzburger Land ihre Weltcup-Karriere als noch nicht 15-Jährige 1968 in Badgastein nach einem Sturz als Letzte des Abfahrts-Klassements "eröffnete". Eine Karriere die ihresgleichen suchte und in der Kür von "La Pröll" im November 1999 in Wien zur Wintersport-Weltsportlerin des Jahrhunderts gipfelte. Dass sie auch überlegen Österreichs Jahrhundertsportlerin wurde, versteht sich wohl von selbst.
Für die Gegnerinnen blieb nur 2. Platz
Wenn der Spruch von "die Letzten werden die Ersten sein" jemals Gültigkeit hatte, dann bei der Annemarie. Denn wenn diese später, zunächst als Pröll und ab der Hochzeit mit Herbert 1974 als Moser-Pröll, zu einem Abfahrts- oder Riesentorlauf antrat, dann kämpften die anderen meist nur noch um den zweiten Platz. Und auch im Slalom stand die Österreicherin immerhin drei Mal ganz oben.
Sechs große und 12 kleine Kristallkugeln
62 Weltcupsiege, davon 36 in der Abfahrt, sind neben 47 weiteren Stockerlplätzen zusammen mit sechs großen Kristallkugeln (plus zwölf kleinen) nach wie vor einsame Rekorde, die wohl kaum mehr übertroffen werden. Schade nur, dass es damals noch keinen Super G gab, denn dieser Bewerb wäre besonders für die Salzburgerin maßgeschneidert gewesen. Nach der Saison 74/75 trat sie zurück, um, wie man später erfuhr, die letzten Monate bei ihrem schwer kranken Vater zu verbringen. Daher verpasste sie auch die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck.
Ab Saison 76/77 wieder dabei
In der Saison 76/77 war sie aber wieder da. Und fuhr gleich wieder um den Sieg mit, auch wenn sie 1977 und 1978 in der Weltcup-Gesamtwertung jeweils "nur" Rang zwei hinter Lise-Marie Morerod (Schweiz) bzw. Hanni Wenzel (LIE) erreichte. Dafür war Moser-Pröll 1979 wieder ganz oben und in ihrer letzten aktiven Saison 79/80 hinter Wenzel immerhin noch einmal Zweite.
Mit Starrköpfigkeit zum Erfolg
Außerordentliches Talent, Wagemut und eine Riesenportion Ehrgeiz zeichneten die Salzburgerin aus, doch auch Starrköpfigkeit war ihr nicht ganz fremd. Ihren sportlichen Weg verfolgte das "natürliche Bauernmädchen" aber unbeirrbar. Verlieren war ihr ganz und gar nicht recht. Mit den zwei Silbermedaillen in Abfahrt und Riesentorlauf bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo hinter der Schweizerin Marie-Theres Nadig hatte die Pröll daher wenig Freude und auch das Gold in der Kombination (galt nur für die WM-Wertung) glänzte für sie nicht sonderlich hell.
WM- und Olympiatitel
Den Olympiasieg, der ihr wie keiner anderen zustand, den holte sie acht Jahre mit dem Abfahrtstriumph in Lake Placid (vor Wenzel und Nadig) dann nach. WM-Titel gewann sie aber gleich fünf, zu den beiden erwähnten noch drei bei "echten" Weltmeisterschaften, 1974 in St. Moritz (Abfahrt) und 1978 in Garmisch (Abfahrt und Kombination).
Weit über Österreichs Grenzen bekannt
In Kleinarl, das dank Moser einen Bekanntheitsgrad weit über Österreichs Grenzen hinaus erreichte, schuf sie sich mit ihrem "Cafe Annemarie" die Basis für eine gesicherte Zukunft. Mit einer Pokal- und Trophäensammlung, die einem Museum Ehre machen würde. Nach dem Ende ihrer Karriere ging die Annemarie weiterhin auf Jagd, allerdings als Waidmännin, ihr großes Hobby. 1982 kam Tochter Marion zur Welt, die allerdings sportlich nicht in die Fußstapfen ihrer Mutter trat, seit kurzem ist sie stolze Oma.
