Der nächste Doping-Skandal in Italien kündigt sich an
- Mysteriöse Todesserie bei der Sampdoria-Elf von 1958/59
- Österreichs Parade-Legionär Ernst Ocwirk unter den Opfern?

In Italien kündigt sich der nächste Doping-Skandal an, diesmal in der Fußball-Welt. Auslöser für die nächste schwere Erschütterung der Profisportszene in Österreichs südlichem Nachbarland ist ein Interview in der Zeitung "Avvenire" mit der Witwe des ehemaligen Sampdoria-Spielers Guido Vincenzi, in dem sie indirekt die Vermutung äußerte, dass ihr Mann und seine Team-Kollegen durch medizinische Behandlungen gedopt wurden und Jahre später daran starben. Wurde auch Ernst "Dio" Ocwirk ein Opfer dieser Vorgänge bei Sampdoria?
Unter den fünf bisher verstorbenen Spielern der Genueser Equipe von 1958/59 ist auch die österreichische Spielerlegende Ernst Ocwirk. Auch er sei 1980 laut "Avvenire" an der mysteriösen Lou-Gehrig-Krankheit verstorben. Die Staatsanwaltschaft in Turin unter Raffaele Guariniello hat bereits Ermittlungen aufgenommen, ob es sich bei den Todesfällen um Spätfolgen von Doping handeln könnte.
Ausbruch der Lou-Gehrig-Krankheit
"Das, was sie ihm gaben, das nahm er auch ein", lautet die dramatisch anmutende Erklärung der Witwe Vincenzis in "Avvenire" (Tageszeitung der katholischen Bischofskonferenz Italiens). Demnach habe Vincenzi wegen seiner ständigen Knieprobleme über einen längeren Zeitraum viele Spritzen erhalten, sogar solche in die Nebennierenrinde. Die Lou-Gehrig-Krankheit brach bei Vincenzi schließlich 1996 aus, im Jahr darauf starb er daran.
1956 zu Sampdoria
Ocwirk, in Genua wegen seiner präzisen Longpasses als "Dio" (Gott) verehrt, starb 1980 im Alter von nur 53 Jahren, offenbar auch an dieser heimtückischen Krankheit. Ocwirk war 1951 österreichischer Sportler des Jahres, wurde 1952 von "France Football" zum besten Kicker der Welt gewählt, 1953 und 1955 gehörte er der FIFA-Auswahl als Kapitän an. Als Kapitän wirkte "Ossi" auch bei der Wiener Austria, zu der er 1947 vom FAC übersiedelt war und deren Dress er bis 1956 trug. 62 Mal spielte der "Lange" für Österreich und gehörte auch jener Mannschaft an, die 1954 in der Schweiz WM-Bronze gewann. 1956 holte Sampdoria den gelernten Modelltischler als ersten Österreicher nach Italien. Nach Beendigung seiner Karriere machte Ocwirk auch als Betreuer bei Sampdoria, Köln und der Wiener Austria auf sich aufmerksam.
Cucchiaroni verstarb mit 44
Zu den Toten der Equipe von 1958/59 gehört auch der Argentinier Tito Ernesto 1956 holte Cucchiaroni, der bereits im Juli 1971 im Alter von nur 44 Jahren verstarb. Aus der Mannschaft von 1965/66 gilt der Mittelstürmer Francisco Lojacono (verstorben im vergangenen September) als Opfer der Lou-Gehrig-Krankheit, aber auch der Tormann Enzo Matteucci, der in Genua 1966/67 und 1969/70 spielte und im Juli 1992 58-jährig starb.
Staatsanwalt ermittelt
Der Turiner Staatsanwalt Guariniello - er untersuchte bereits den Radsport-Skandal rund um Marco Pantani - ist der "pharmezeutischen Praxis" bei Sampdoria laut Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" bereits seit einiger Zeit auf der Spur. Guariniello befragte in dieser Causa bereits den ehemaligen Verteidiger Francesco Morini (von 1963 bis 1969 in Genua) sowie den mehrfachen Meister-Trainer Marcello Lippi, der von 1969 bis 1979 das blaugestreifte Samp-Trikot trug.
70 "verdächtige" Todesfälle
Doch nicht nur die Untersuchungen beim Genueser Traditionsvereins geben Anlass zur Sorge: Guariniellos jahrelange Untersuchungen dokumentieren mittlerweile die Karriere von über 24.000 (!) Fußballern. Unter diesen gelten laut Staatsanwaltschaft 70 Todesfälle als "verdächtig" in Bezug auf Doping-Spätfolgen, und ganze 33 Todesfälle können angeblich mit der Lou-Gehrig-Krankheit in Verbindung gebracht werden.
Auch Signorini unter den Opfern
Der jüngste Todesfall in dieser Serie, der laut "Corriere della Sera" in Italiens Fußballgeschichte sogar 45 Fälle umfasst, war jener von Gianluca Signorini (Genoa), der Anfang November 2002 im Alter von nur 42 Jahren diesem Leiden erlag.
Illustre Namen unter den Erkrankten
Unter den aktuell Erkrankten finden sich ebenfalls illustre Namen, unter anderem der 57-jährige Adriano Lombardi (ehemals bei Avellino) sowie der bloß 30-jährige Lauro Minghelli (ehemals bei Arezzo). In Schottland ist der 58-jährige Jimmy Johnstone (Celtic) erkrankt.
Zusammenhang Spitzensport und ALS
Letizia Mazzini, Neurologin am San Giovanni Bosco-Spital in Turin, sagte gegenüber dem "Corriere della Sera", die Todesserie bei Sampdoria sei zwar verdächtig, "aber sie beweist nicht einen Zusammenhang zwischen Spitzensport und ALS".
Erkrankung des Nervensystems
Die Amyothrophische Lateralsklerose (ALS) bzw. Lou-Gehrig-Krankheit ist eine Erkrankung des Nervensystems, die zu Muskelschwund, Lähmung und nachlassendem Sprechvermögen führt. Nachdem die Krankheit lange Zeit als unheilbar galt, gab es bei US-Forschern im Vorjahr erste Erfolge: Ein seit Jahrzehnten benutztes Antibiotikum konnte im Tierversuch ALS zumindest verzögern. Eine tägliche Injektion des Antibiotikums Minocyclin konnte der Studie des Brigham and Women's Hospital in Boston zufolge bei Mäusen den Ausbruch und Verlauf der Krankheit verlangsamen und das Leben der Tiere verlängern.
Auch Physiker Stephen Hawking hat ALS
Prominentes Opfer der ALS ist der weltweit bekannte Physiker Stephen Hawking, der auf einen besonderen Rollstuhl mit computerisierter Sprachausgabe angewiesen ist.
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