Dienstag, 25. März 2003

Pluschenko bei WM im Kurzprogramm souverän

  • Wirbel um konkurrierenden Eiskunstlauf-Verband WSF

Europameister Jewgenij Pluschenko hat bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Washington trotz einer Knieverletzung im Kurzprogramm eindrucksvoll seine Favoritenrolle unterstrichen. Mit einer nahezu fehlerfreien Darbietung setzte sich der 20-jährige Russe am Dienstag vor den Amerikaner Timothy Goebel und dem Japaner Takeshi Honda durch. Ohne den verletzten Olympiasieger und Landsmann Alexej Jagudin fehlte dem Weltmeister von 2001 aber ein ernsthafter Konkurrent.

Nur mittelmäßig sind hingegen die Eistanz-Weltmeister Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch gestartet. Dennoch setzten die Preisrichter das russische Duo an die Spitze der Gruppe A. Die zweite Gruppe führen die Kanadier Shae-Lynn Bourne/Victor Kraatz an, die den besten Pflichttanz zu Walzerklängen zeigten.

Wirbel um WSF
Thema des Tages war aber die Gründung eines konkurrierenden Eislauf-Verbandes, die für viel Wirbel und Verstimmung sorgte. Ein Jahr nach dem Wertungsskandal von Salt Lake City gründeten enttäuschte Preisrichter und Läufer am Rande der WM den Welt-Kunstlauf-Verband (WSF). Die WSF will vor allem das gerade eingeführte anonyme Wertungssystem bekämpfen. Prominente Unterstützerin ist Katarina Witt. "Es ist ein großartiges Konzept, die Organisation ist wirklich für die Sportler da", sagte die Doppel-Olympiasiegerin, die bei einer Pressekonferenz in der US-Hauptstadt per Video zugeschaltet wurde.

Anerkennung vom IOC?
In ihrem Statement griff sie den ISU-Präsidenten Ottavio Cinquanta an: "Der Chef eines Eiskunstlauf-Verbandes sollte ein Eiskunstläufer sein und kein Eisschnellläufer." Die WSF, die von vielen bekannten Ex-Läufern wie Scott Hamilton oder den kanadischen Olympiasiegern Jamie Sale/David Pelletier unterstützt wird, richtete einen Brief an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und bat um Anerkennung.

Preisrichter werten anonym
An der Spitze des neuen Verbandes steht der Amerikaner Ronald Pfenning, der als Oberschiedsrichter Licht in die Paarlauf-Affäre der Olympischen Winterspiele 2002 gebracht hatte. Er wollte das neue Wertungssystem, das die Preisrichter anonym werten lässt, nicht mehr länger mittragen und protestierte bei der ISU. Deshalb suspendierte ihn Cinquanta von den Welttitelkämpfen. Der Italiener will sich erst bei einer Pressekonferenz am Samstag zu dem neuen Verband äußern.

"Koalition der Frustrierten"
Klare Worte fand dagegen DEU-Präsident Reinhard Mirmseker: "Dieser Verband hat keine Chance, anerkannt zu werden. Zudem ist so eine Gegenentwicklung nicht förderlich, wenn man gerade versucht, etwas zu Gunsten der Läufer zu verändern." Für ihn sind die Abtrünnigen eine "Koalition der Frustrierten".

25.3.2003 11:05