Hunderttausend Kriegsgegner weltweit auf den Straßen
- Proteste von A bis Z, von Athen bis Zürich
- 30.000 bilden Menschenkette zwischen Münster & Osnabrück
Aus Empörung über den Irak-Krieg sind am Samstag weltweit wieder etwa hunderttausend Menschen auf die Straße gegangen. In Deutschland begannen am Nachmittag zwischen Osnabrück und Münster Demonstranten damit, sich zu einer 50 Kilometer langen Friedenskette zu formieren.
Die größten Demonstrationen wurden aus Südkorea, Südafrika und Griechenland gemeldet, wo sich jeweils mehr als 10.000 Menschen beteiligten. In China genehmigten die Behörden erstmals eine Kundgebung von Irak-Kriegsgegnern. In Wien kam es am Nachmittag zu einer Kundgebung, die auch vor die US-Botschaft führte und an der nach Angaben der Polizei rund 150 Menschen teilnahmen.
Zwischen Münster und Osnabrück waren nach Angaben der Veranstalter 30.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen den Irak-Krieg zu demonstrieren. Die Menschenkette sollte das nordrhein-westfälische Münster und das niedersächsische Osnabrück verbinden. In den Städten war über den Westfälischen Frieden verhandelt worden, der 1648 den 30jährigen Krieg beendet hatte. Rund um das Oberkommando der US-Streitkräfte in Europa (EUCOM) in Stuttgart schlossen rund 6.000 Kriegsgegner eine fünf Kilometer lange Kette. Zeitgleich versammelten sich an der Frankfurter Airbase der US-Luftwaffe rund 2.000 Demonstranten; dort war eine 24-stündige Sitzblockade geplant. "Army go home" war auf Plakaten zu lesen, auf T-Shirts stand "Schluss mit Bush" oder "Weil wir Menschen sind". Am nahe gelegenen Frankfurter Kreuz nahm die Polizei 17 Autofahrer vorläufig fest, die offenbar zu Zwecken einer Straßenblockade extrem langsam fuhren.
In China gab es laut Behördenangaben die erste Kundgebung von Gegnern des Irak-Kriegs. Die hauptsächlich von Intellektuellen geplante Demonstration soll in einem Park in der Hauptstadt Peking stattfinden. "Wir dürfen nicht durch die Straßen marschieren und auch nicht vor der US-Botschaft protestieren", sagte einer der Organisatoren am Samstag. Die Teilnehmerzahl sei von der Polizei auf 100 beschränkt worden.
In der libanesischen Hauptstadt Beirut drohte sich ein Mann aus Protest gegen die britisch-amerikanischen Angriffe auf den Irak in einer Bank in die Luft zu sprengen. Er ergab sich, nachdem Innenminister Elias Murr an Ort und Stelle mit ihm verhandelt hatte. Der Mann durfte anschließend eine Erklärung verlesen. Darin hieß es, britische Ziele sollten zur Verteidigung des irakischen und des palästinensischen Volks angegriffen werden. Der bärtige und in Schwarz gekleidete 45jährige trug nach Angaben des Ministers TNT-Sprengstoff am Körper.
In Athen marschierten rund 15.000 Kriegsgegner zur US-Botschaft. Zuvor hatten Demonstranten rote Farbe auf die Fenster eines McDonald's-Schnellimbisses geschmiert. In der Nacht zum Samstag war ein anderes Restaurant dieser US-Kette Ziel eines Granaten-Anschlags. Verletzt wurde dabei niemand. Auch in anderen griechischen Städten fanden Protestkundgebungen statt.
In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul zogen am Samstag mehrere tausend Kriegsgegner durch das Zentrum und riefen "Stoppt die Angriffe! Stoppt das Töten!". Es kam zu einem Handgemenge zwischen Studenten und Polizisten. Verletzt wurde dabei offenbar niemand. Am Abend hielten mehrere hundert Demonstranten in der Nähe der US-Botschaft eine Mahnwache ab.
In Kapstadt in Südafrika wurde die Zahl der Demonstranten auf mehr als 10.000 geschätzt. Sie zogen vor das US-Konsulat. Einige führten afghanische und palästinensische Fahnen mit sich. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen "Satans Puppe - Bush".
Aus Protest gegen den Krieg gegen den Irak haben Unbekannte am Samstagmorgen in Zürich einen Turm des Grossmünsters besetzt. Auf Transparenten stand "Boykottiert Esso, Shell und BP", "Flüchtlinge aufnehmen" und "Kriegsprofiteure angreifen". Die Aktion erfolgte aus Solidarität mit der Bevölkerung im Irak und den menschlichen Schutzschilden in Bagdad, erklärten die Besetzer.
In zahlreichen deutschen Städten gab es Demonstrationen: In Bremen nahmen 2.500 Kriegsgegner an einer Kundgebung teil. Auch in Rostock protestierten mehrere tausend gegen den Krieg in Irak, wie die Polizei mitteilte. In Bonn zogen mittags rund 500 Menschen vom Rhein aus durch die Innenstadt. In München waren etwa 1000 auf die Straße gegangen. In Hannover versammelten sich rund 3.500 Kriegsgegner auf dem Opernplatz. Und in der Hauptstadt sind nach Polizeiangaben mehrere tausend Menschen zu einer Großdemonstration zusammen gekommen. Ziel eines organisierten Sternmarsches war die Siegessäule in Berlin. Vor dem Hauptbahnhof im hessischen Hanau versammelten unterdessen rund 100 Rechtsextremisten zu einer Demonstration gegen den Irak-Krieg. Zwei Gegendemonstranten wurden vorläufig festgenommen, ansonsten blieb es laut Polizei zunächst friedlich.
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