Stratege Karner: "Saddams Flucht wäre Selbstmord"
- Möglicher Widerstand gegen Saddam aus den eigenen Reihen
- Fanatische Kämpfer als größtes Problem der US-Armee

Brigadier Gerald Karner, leitender Militärstratege im Verteidigungministerium, analysiert für FORMAT die Situation im Irak und den bevorstehenden Häuserkampf um Bagdad. Karner schließt eine mögliche Flucht von Saddam Hussein aus, viel eher rechnet er mit einem Putsch von innen, der den Diktator zur Aufgabe zwingt.
Der Brigadier des Österreichischen Bundesheeres rechnet damit, dass die US-Truppen bei ihrer Ankunft im Zentrum von Bagdad, wann auch immer diese stattfindet, in erster Linie Trümmer vorfinden werden. Ein möglicher Widerstand von innen gegen den irakischen Diktator kann nicht ausgeschlossen werden. Die hohen Verluste im zivilen Bereich könnten die regulären Streitkräfte, die vorwiegend aus normalen Wehrpflichtigen bestehen, von der Sinnlosigkeit weiterer Gegenwehr überzeugen.
Auch dem Kreis der Republikanischen Garde ist unter Umständen mit Resistenz zu rechnen. Karner vergleicht die Situation im Irak mit der im Dritten Reich. Ähnlich wie beim Stauffenberg-Attentat gegen Adolf Hitler könnte aus dem unmittelbaren Erlebnis der Niederlage die Erkenntnis reifen, dass das Handeln des politischen Führers das Land in den Untergang lenkt. Dennoch müssen die Amerikaner mit Resten fanatischer Widerstandsnester in Bagdad rechnen.
Feindesuniform und zivile Schutzschilde
In den Reihen der Republikanischen Garde befinden sich fanatische Kämpfer, die auch in der aussichtslosesten Situation noch alle verfügbaren Mittel einsetzen werden. Sie werden mit Hinterhalten und Überfällen operieren, in Zivilkleidung oder Feindesuniformen agieren, aber auch nicht von der Nutzung ziviler Schutzschilde zurückschrecken.
Im Häuserkampf um Bagdad, also dem unmittelbaren Kampf Mann gegen Mann, werden außerdem Waffen auf Mikrowellenbasis eingesetzt. Diese können sowohl zum Aufspüren von hinter Mauern verschanzten Feinden als auch zur vorübergehenden Ausschaltung von Gegnern dienen: Derartige Waffen wirken auf die Haut abstoßend und verursachen Verbrennungen an der Hautoberfläche.
Feinde in den eigenen Reihen
Der Umstand, dass der Aufenthaltsort von Saddam Hussein über Stunden hinweg lokalisiert werden konnte, läßt Karner auf Feinde innerhalb der eigenen Reihen des irakischen Staatschefs schließen. Es muss also gelungen sein, zumindest in der weiteren Umgebung von Saddam Hussein Agenten einzuschleusen.
Dem oft strapazierten Vergleich zwischen Bagdad und der Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg kann der österreichische Militärstratege nichts abgewinnen. Karner verweist darauf, dass in Stalingrad reguläre militärische Verbände gegeneinander gekämpft haben und keine Zivilisten in der Kampfzone zu finden waren. In Bagdad besteht hingegen die Gefahr, dass die Republikanischen Garden die Zivilisten zwingen, in den Häusern zu bleiben.
Karner ist aber davon überzeugt, Saddam Hussein werde letztlich zur Strecke gebracht. Einen finalen Ausbruchsversuch des Diktators hält er für unrealistisch. Die Psychostruktur des irakischen Führers deutet eher in die Richtung einer Märtyrerrolle. Nichts wäre für Saddam Hussein demütigender, als in amerikansiche Hände zu fallen.
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