Freitag, 28. März 2003

"Hardliner" Perle gibt Posten im Pentagon auf

  • Wegen Verdachts wirtschaftlicher Interessen
  • Rumsfeld: Bagdad könnte belagert werden

Der Vorsitzende des einflussreichen Politikausschusses im US-Verteidigungsministerium, Richard Perle, ist am Donnerstag zurückgetreten. Als Grund für seinen Schritt nannte er Vorwürfe über eine unzulässige Verquickung seines politischen Einflusses mit wirtschaftlichen Interessen. Diese seien zwar falsch, schrieb der 61-jährige in seinem vom Pentagon veröffentlichten Rücktrittsschreiben, da er sie aber nicht "schnell und einfach" zurückweisen könne, trete er zurück.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld akzeptierte Perles Rücktrittsgesuch. Rumsfeld würdigte den 61-Jährigen als wichtigen Berater und dankte ihm dafür, dass er weiterhin dem Ausschuss angehören werde. Rumsfeld sagte nichts zu dem Grund, warum Perle den Vorsitz abgab.

In der von Perle angedeuteten Kontroverse geht es um einen Vertrag, den er mit dem bankrotten Telekommunikationsunternehmen Global Crossing hat. Sollte die US-Regierung dem Verkauf des Unternehmens an zwei asiatische Firmen zustimmen, würde Perle 725.000 Dollar, darunter 600.000 von der Regierung, erhalten, sagten Anwälte, die mit dem Konkursverfahren vertraut sind. Perle hat jedes Fehlverhalten zurückgewiesen. In seinem Rücktrittsgesuch kündigte Perle an, allenfalls von Global Crossing für vergangene Dienste bezahltes Geld den Familien der in Irak verletzten oder getöteten Soldaten zur Verfügung stellen zu wollen.

In den 80er Jahren war er stellvertretender Verteidigungsminister in der Regierung von Präsident Ronald Reagan. Er übernahm den Beraterposten für die jetzige Regierung kurz nach Rumsfelds Amtsantritt. In der Reagan-Regierung hatte sich Perle vehement gegen Abrüstungsabkommen mit der Sowjetunion ausgesprochen. Das brachte ihm damals den Beinamen "Fürst der Finsternis" ein.

In der zeitweise scharfen Auseinandersetzung zwischen den USA, Deutschland und Frankreich im Irak-Konflikt hatte Perle im vergangenen Oktober den Rücktritt des deutschen Kanzlers Gerhard Schröder empfohlen, um wieder eine Verbesserung im deutsch-amerikanischen Verhältnis herbeizuführen. Dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac warf er Anfang des Monats Verrat und Wortbruch vor. Die französische Irak-Politik sei offenbar in Chiracs "persönlicher Beziehung mit Saddam Hussein" begründet, den er als Freund bezeichnet habe, sagte er.

28.3.2003 10:50