Steirischer "Friedensflieger" landete am Petersplatz
- Friedensaktivisten nach vorübergehender Festnahme wieder frei
- Wollten Papst Unterschriftenliste gegen Irak-Krieg überreichen
Mit einer spektakulären Aktion hat am Freitag eine Gruppe junger österreichischer und deutscher Pazifisten in Rom gegen den Irak-Krieg protestiert. Der 26-jährige Extremsportler Andreas Siebenhofer aus der Steiermark flog mit einem motorisierten Paragliding-Schirm von der römischen Villa Pamphili zum Petersplatz, wo er mit fünf weiteren Steirern und zwei Müchnerinnen dem Papst eine Unterschriftenliste mit einer Petition zur Beendigung des Irak-Krieges überreichen wollte.
Siebenhofer, sein Partner Johann Moitzi (29) und die sechs anderen Friedensaktivisten wurden vorübergehend festgenommen, am Nachmittag aber bereits wieder freigelassen.
Die Friedensaktivisten waren am Montag vom obersteirischen Stift Seckau aus mit Gleitschirmen samt Rucksackmotor zu einem "Flug für den Frieden" aufgebrochen. Sie sammelten bei mehreren Zwischenlandungen in Österreich und Italien zahlreiche Unterschriften gegen den Irak-Krieg wollten dann das gesamte Paket Papst Johannes Paul II. übergeben. Dazu kam es bisher aber nicht. Die Listen sowie das Begleitfahrzeug, die gesamte Ausrüstung sowie Videokameras und Fotoapparate, mit denen die gesamte Aktion dokumentiert werden sollte, wurde von der römischen Polizei vorerst beschlagnahmt. Ob es nun auf Grund der großen öffentlichen Wirkung dieser Aktion dennoch zu einer Audienz beim katholischen Kirchenoberhaupt kommen wird, war am Freitag noch nicht bekannt.
Große Unterstützung für Aktion
Siebenhofer und Moitzi hatten bei ihren Zwischenlandungen zahlreiche Unterstützungserklärungen für ihr Projekt gesammelt und kamen bereits am Donnerstag in Rom an. Heute, Freitag, startete dann Siebenhofer um 06.35 Uhr von der Villa Pamphili aus Richtung Petersplatz. Der frühe Zeitpunkt wurde gewählt, um keine Verkehrsteilnehmer und Touristen zu gefährden, erklärte Siebenhofer im Gespräch mit der APA unmittelbar nach seiner Freilassung.
Landung im Vatikan
Siebenhofer erklärte auch, dass er wie geplant direkt am Petersplatz - und damit auf dem Territorium des Vatikan - gelandet sei. Die Polizei hatte versucht, ihn schon zuvor zur Landung zu zwingen, schritt aber zu spät ein. Der Luftraum über Rom und dem Vatikan ist seit den Anschlägen des 11. September 2001 gesperrt. Der Vatikan gilt als "Hauptstadt" der Katholiken nach Einschätzung des italienischen Geheimdienstes als mögliches Terrorziel islamistischer Fundamentalisten.
Festnahmen am frühen Morgen
Nach der Landung um 06.40 Uhr wurden Siebenhofer, Moitzi sowie Ersatzpilot Klaus Donat, Mechaniker Robert Kettner und die anderen Mitglieder der Gruppe, die ihm mit Begleitfahrzeugen nachgefahren waren, von der römischen Polizei festgenommen. Die Festnahme verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. In einer Pressekonferenz der römischen Polizei hieß es, den jungen Männern und Frauen werde "nicht autorisierte Kundgebung" und "Verletzung des römischen Luftraumes" zur Last gelegt. Doch nach nur wenigen Stunden war klar, dass die Friedenaktivisten - allesamt unbescholtene Bürger - noch am Freitag wieder freigelassen würden.
Siebenhofer nach Freilassung erleichtert
Erleichtert vom Ausgang der "Friedensmission" zeigte sich Siebenhofer unmittelbar nach seiner Freilassung: "Für uns war es eine gelungene Mission, wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Wir wollten unsere Solidarität mit der Friedensinitiative des Papstes zum Ausdruck zu bringen. Dieses Ziel haben wir erreicht." Doch der junge Extremsportler, der bereits Südamerika per Mountainbike durchquert hat, war über die Reaktionen auf die Aktion auch überrascht. "Wir haben nicht geglaubt, dass wir damit einen solchen Medienrummel auslösen würden, weshalb wir diese Aktion nicht noch einmal machen würden. Wir haben einfach spontan gehandelt."
Aktivisten von Polizei gut behandelt
Wie Siebenhofer und auch andere Mitglieder der Gruppe wiederholt versicherten, wurden sie von der Polizei sehr gut behandelt. Man habe sich sogar für das polizeiliche Eingreifen entschuldigt, doch man habe Pflichten zu erfüllen. "Offenbar hat jeder sofort begriffen, was wir mit unserer Aktion ausdrücken wollten", so Siebenhofer, der zwei Drittel der 800 Kilometer langen Strecke zwischen Start und Ziel fliegend zurückgelegt hat.
Kleine politische Affäre
In Italien wuchs sich die Aktion im Laufe des Tages sogar zu einer kleinen politischen Affäre aus: Das Ereignis wurde von der Polizei anfangs offenbar so ernst genommen, dass sich sogar der Polizeipräfekt von Rom, Emilio Del Mese, persönlich am Schauplatz blicken ließ und eine Sondersitzung des Gemeindeausschusses für die öffentliche Sicherheit anberaumte. Vertreter der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord verlangten von Innenminister Giuseppe Pisanu sogar einen Bericht vor dem Parlament zu dieser Causa mit einer Begründung, wie es dazu kommen konnte, dass eine Gruppe von Leuten "auf solch eklatante Weise" den Luftraum über Rom und dem Vatikan verletzen konnte.
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