Donnerstag, 27. März 2003

Über 200 Festnahmen bei Protesten in New York

  • Verkehr auf der Fifth Avenue kam zum Erliegen

Tausende Gegner des Irak-Krieges haben am Donnerstag den Verkehr auf der Fifth Avenue in New York für eine Stunde lahm gelegt. Trotz eines massiven Polizeieinsatzes setzten Demonstranten ähnliche "Aktionen des zivilen Ungehorsams" später an anderen Ecken des Stadtteils Manhattan fort. Bis Donnerstagabend (Ortszeit) wurden nach US-Medienberichten weit mehr als 200 Kriegsgegner festgenommen.

Allein auf der Fifth Avenue führten Polizisten etwa 215 Teilnehmer eines so genannten "Die-In" in Handschellen ab. Sie hatten sich vor dem Rockefeller Center auf die Straße gelegt. Damit sollten die Toten des Krieges symbolisiert werde, erklärten Sprecher der Organisation M27, eines Bündnisses unterschiedlicher New Yorker Friedensgruppen.

Das Rockefeller Center sei als Schauplatz gewählt worden, weil es Sitz mehrerer Konzerne ist, die vom Krieg profitierten. Zudem gebe es dort Büros von Medien wie dem Fernsehsender NBC, deren Berichterstattung nicht das wahre Bild des Krieges im Irak vermittle und die Kriegsziele der USA verschleiere. Mehrere Festnahmen gab es später auch vor dem New Yorker Studio des Senders CNN, der einige Straßen weiter seinen Sitz hat, sowie vor dem Juweliergeschäft Tiffany.

Während die Polizei eine Reiterstaffel und Hubschrauber einsetzte, riefen Demonstranten in Sprechchören immer wieder "Hey-ho, Bush's war has to go" und "Peace Now!". Am Abend fanden an mehreren Orten Diskussionsforen mit prominenten Kriegsgegnern statt. Auf einer Veranstaltung forderte der Autor und Regisseur Michael Moore den Widerstand gegen den Krieg zu verstärken. Moores Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" war am vergangenen Sonntag mit einem Oscar ausgezeichnet worden.

New Yorks Polizeichef Ray Kelly erklärte, bei der Demonstration sei "das Gesetz gebrochen worden". Störungen des Verkehrs hätten nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun. Demonstrationen gegen den Krieg kosteten die Stadt Millionen von Dollar für Überstunden von Polizisten und beeinträchtigten zudem die Einsätze zur Abwehr terroristischer Gefahren.

27.3.2003 18:02