Donnerstag, 27. März 2003

Schlacht um Bagdad: Irak könnte C-Waffen einsetzen

  • USA: Saddam soll Offizieren Erlaubnis erteilt haben
  • Bisher keine Beweise für Existenz von ABC-Waffen

Bei der erwarteten Schlacht um Bagdad könnte der Irak US-Geheimdienstangaben zufolge auch chemische Kampfstoffe gegen die Truppen der amerikanisch-britischen Koalition einsetzen. Einen entsprechenden Auftrag soll der irakische Präsident Saddam Hussein seinen Offizieren erteilt haben, sollten die Invasoren die "rote Linie" überschreiten und den Verteidigungsring um die Hauptstadt angreifen.

Bereits im ersten Golfkrieg gegen die zahlenmäßig überlegenen Streitkräfte des Iran (1980 - 1988) hatte der Irak wegen der vernichtenden Wirkungen seines Giftgases den Sieg davontragen können. Im Jahr 1988 setzte Saddam in der nordirakischen Stadt Halabja Giftgas gegen die kurdische Bevölkerung ein. Rund 5.000 Tote waren zu beklagen.

Besitzt Irak überhaupt chemische Kampfstoffe?
Offen ist allerdings die Frage, ob der Irak tatsächlich über die ihm zugeschriebenen chemischen Kampfstoffe verfügt. Weder die UNO-Waffeninspektoren noch die bereits mehr als ein Drittel des Landes kontrollierenden Koalitionstruppen haben bisher Massenvernichtungswaffen im Irak sicherstellen können. Die US-Regierung vermutet tödliche Nervengase wie Sarin, VX sowie Senfgas im Besitz des Irak.

Nervengase von Saddams Garde kontrolliert
Sie werden nach Angaben aus US-Regierungskreisen von der Republikanischen Garde kontrolliert, einer Eliteeinheit Saddams. Auch die britische Regierung hat im September 2002 in einem Bericht festgehalten, dass der Irak immer noch über chemische Kampfstoffe sowie Kenntnisse und Laboratorien zu deren Herstellung verfügt. Bagdad hat diese Vorwürfe stets bestritten.

Chemische Waffen
Zu den chemischen Waffen zählen unter vor allem Nervengifte wie Sarin, Tabun oder VX. Atembeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, Krämpfe und schließlich Atemversagen sind die Folge. Eine zweite Gruppe sind Kampfstoffe, die über Körperkontakt wirken (Senfgas und ähnliche Substanzen). Sie greifen vor allem die Haut, Augen und Lungen an und sind ebenfalls tödlich. Meistens werden sie eingesetzt, um die Feinde zum Anlegen sperriger Schutzanzüge zu zwingen und damit ihre Kampfkraft zu verringern.

Eine dritte Gruppe von Chemiewaffen sind Lungengifte wie Chlor oder Phosgen. Sie wirken erstickend und können innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Zyanide wirken auf Metall enthaltende Enzyme des Körpers und schädigen den Stoffwechsel der Zellen. Krämpfe, Übelkeit, Atemverversagen bis hin zu plötzlichem Herztod können die Folge sein.

Chemische Kampfstoffe werden meist durch den Abschuss von Granaten oder Raketen übertragen. Der Gefechtskopf enthält meistens zwei verschiedene Substanzen, die während des Fluges zum gewünschten Giftgas gemischt werden. Die Granate wird vor dem Aufprall auf den Boden gezündet, um einen möglichst breiten Wirkungsgrad zu erzielen.

Aktivkohle bindet chemische Kampfstoffe
Schutzanzüge enthalten eine Schicht aus Aktivkohle, die die eingesetzten chemischen Kampfstoffe binden und unschädlich machen kann. Es gibt zwei Arten von Schutzanzügen. Die undurchlässigen sind für den Kampfeinsatz praktisch nicht geeignet. Sie sind sehr heiß und schwer und können höchstens 20 bis 30 Minuten getragen werden. Bei einer längeren Tragezeit erleidet der Träger einen Hitzeschock. Die luftdurchlässigen Anzüge sind leichter und ermöglichen es, zu schwitzen. Allerdings bieten sie auch einen geringeren Schutz.

Gasmasken & Schutzanzüge gefunden
Bei Einsätzen der alliierten Truppen gegen irakische Infanterie in den Ölfeldern südlich von Basra sind nach Angaben des britischen Generalstabschefs Michael Boyce Schutzanzüge und Gasmasken in großer Zahl gefunden worden. Dies wurde nach Angaben Hoons als Anzeichen dafür gewertet, dass der irakische Machthaber Saddam Hussein den Einsatz biologischer und chemischer Waffen in Betracht zieht. Mit den neuen Funden seien nun die letzten Zweifel ausgeräumt worden. Nähere Details nannte er nicht.

"Der Krieg verläuft nach Plan", sagte Hoon weiter. Er werde nicht beendet, bevor Saddam gestürzt sei und die Massenvernichtungswaffen vernichtet seien. "Saddams Zeit läuft ab."

27.3.2003 13:32