Donnerstag, 27. März 2003

Die richtigen Probleme erwarten USA erst nach Krieg

  • Deutscher Experte erwartet "blutiges Ende"
  • Zudem Widerstand gegen US-Militärverwaltung vorherzusehen

Die USA werden nach Ansicht des Frankfurter Friedens- und Konfliktforschers Harald Müller große Schwierigkeiten mit der Etablierung einer Militärverwaltung in Irak haben. "Die Probleme fangen erst nach dem Ende der Kämpfe an", sagte Müller. "Eine Militärregierung ist unglaublich verwundbar", fügte das Vorstandsmitglied der renommierten Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung hinzu.

Müller erwartet ein "blutiges Ende" des Golfkrieges. Letztlich würden die USA aber siegreich aus einem Häuserkampf gehen. Müller ist jedoch der Überzeugung, dass die anschließend geplante US-Militäradministration zu großen Spannungen im Irak führen wird. Das Land könnte zu einem neuen Aktionsfeld von islamischen Terroristen werden, warnte er. Müller erwartet, dass im Nordirak große Probleme mit den Kurden erwachsen, falls sich die türkischen Streitkräfte in den Konflikt einschalten. Eine große Anzahl junger Kurden würde jedes Eingreifen türkischer Truppen als "Ergebnis einer Absprache der Türken mit den Alliierten verstehen" und sie in die Arme von terroristischen Gruppen treiben.

Widerstand wird erwachsen
Eine US-Militärregierung würde außerdem "extremes Missbehagen" bei der sunnitischen Minderheit hervorrufen, aus deren Glaubensgemeinschaft auch der irakische Machthaber Saddam Hussein und seine engsten Gefolgsleute stammen. Aus dieser Unzufriedenheit würde mit Sicherheit Widerstand erwachsen, sagte Müller. Bei der schiitischen Bevölkerungsmehrheit würde bei einer solchen Nachkriegsordnung hingegen der Anspruch wachsen, endlich angemessen an der Macht beteiligt zu werden. Und diese Ansprüche würden sie auch versuchen durchzusetzen, erklärte Müller.

Antiwestliche Ressentiments werden wiederbelebt
Insgesamt werde die Besatzung in der gesamten moslemischen Welt antiwestliche Ressentiments wiederbeleben und zum Magneten für radikale muslimische Kräfte werden. Der Professor für Internationale Beziehungen an der an der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität erklärte, die USA würden in der Region nicht ihrem eigenem Selbstverständnis nach als Befreier verstanden, sondern als Kolonialisten.

Müller warnte die deutsche Bundesregierung eindringlich davor, sich an der Nachkriegsordnung im derzeitigen Sinne der USA zu beteiligen. Sie würde dadurch nachträglich das völkerrechtswidriges Handeln der amerikanischen Regierung legitimieren.

27.3.2003 09:36