Der Sturm auf Mosul naht
- Kurdische Kämpfer bereiten Angriff vor
- Aufständische setzen auf Überläufer und einheimische Stämme
·Kurden-Vorstoß
Irakische Soldaten weichen zurück
·Unfall-Tote
3 US-Soldaten ster- ben bei Heli-Crash!
·Sieben Tote
US-Kampfjet & Helikopter zerstört
·Infografik
Saddams Republi- kanische Garden
·Irak-BILDER
170.000 Kunst-werke sind verloren
·Guerrilla-Krieg
Verwirrspiel in der irakischen Wüste
·Opfer & Chaos
Bilder aus dem zerstörten Viertel
Der Sturm auf Mosul naht. Während die US-geführten Streitkräfte im Süden des Irak von den erbittert Widerstand leistenden Soldaten Saddam Husseins noch aufgehalten werden, bereiten die Kurden im Norden des Landes bereits die Eroberung einer der Schlüsselstellungen der irakischen Armee vor. Das 350 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Mosul wird bisher vom 5. irakischen Armeekorps gehalten, das auch über El-Samud-Raketen verfügen soll. Die kurdischen Peschmerga wollen trotz des waffenstarrendes Gegners bald angreifen - sie setzen auf Überläufer und die Hilfe der kurdischen Milizen, die beim Aufstand 1991 noch in den feindlichen Reihen kämpften.
Mosul ist für die beiden großen Kurdenparteien Demokratische Partei Kurdistans (DPK) und Patriotische Union Kurdistans (PUK) eine harte Nuss: Das Zentrum der nordirakischen Erdölindustrie bildet eine arabische Enklave inmitten des Kurdengebietes. Anders als in Kirkuk im Osten der quasi-autonomen Region - viele Kurden träumen von der Hauptstadt eines künftigen kurdischen Staates - stehen die mehr als 700.000 Einwohner Mosuls mehrheitlich hinter der Führung in Bagdad. Die Erinnerung an die kurdische Erhebung vor zwölf Jahren ist noch frisch: Damals blieb Mosul als einzige Stadt der Region in den Händen regierungstreuer Truppen. Auch kurdische Milizionäre stellten sich den Aufständischen entgegen; Kurde schoss auf Kurde.
Das soll sich nicht wiederholen, verspricht Jawhar Harki. Der Führer des kurdischen Harki-Stammes gehört zu jenen Clanchefs, die mittlerweile von der Regierung in Bagdad abgefallen sind. So versichert Harki, der sich der DPK angeschlossen hat, dass sich auf seinen Befehl mehr als 5000 bewaffnete Männer in Mosul den kurdischen Angreifern anschließen würden. Auch wenn die Miliz offiziell dem irakischen Militärgeheimdienst unterstellt ist, "hören die Männer meines Stammes auf das, was sich sage", meint Harki. Mit den Führern mehrerer arabischer Stämme gebe es ebenfalls Kontakte, sagt ein DPK-Funktionär.
Kurden kundschafteten Irakis aus
Die Kurden haben die monatelange Vorbereitungszeit auf den Krieg auch dafür genutzt, den Feind auszukundschaften. "Wir haben unsere Leute in Mosul, die uns Informationen über die irakischen Stellungen geben. Wir stehen mit hochrangigen irakischen Offizieren in Kontakt", sagen kurdische Sicherheitskräfte. Weniger als ein Drittel der Regierungssoldaten in Mosul steht nach ihren Angaben loyal hinter Saddam Hussein, die übrigen würden bei der erstbesten Gelegenheit die Waffen strecken. Auch viele Mitglieder der paramilitärischen Miliz "Fedajin Saddam" seien mit Gewalt rekrutiert worden. "Wir haben eine Art Abkommen" mit den Überläufern geschlossen, sagt ein Kurde. "Sie lassen uns wissen, dass sie sich ergeben wollen, und wir helfen ihnen."
Hilfe von US-Armee erhofft
Hilfe erhoffen sich die Kurden auch von den US-Streitkräften, die die Kämpfer mit Luftangriffen unterstützen könnten. Ein Kinderspiel wird der Sturm auf Mosul dennoch nicht: In jeder irakischen Armee-Einheit wachen Angehörige des Geheimdienstes Muchabarat darüber, dass mögliche Überläufer auf ihrem Posten bleiben, sagen die Kurdenkämpfer. Hartnäckiger Widerstand sei besonders von den Angehörigen der Republikanischen Garden zu erwarten.
Es wird wohl noch viel Blut fließen in Mosul. Wie ein warnendes Beispiel werfen die Ruinen von Ninive auf der anderen Seite des Tigris ihre Schatten auf die Stadt. Die einstige Hauptstadt des assyrischen Reiches wurde 612 vorChristus von den Babyloniern und Medern zerstört - und sollte sich nie wieder von diesem Schlag erholen.
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