Dienstag, 25. März 2003

US-Streitkräfte räumen Fehler bei Luftangriffen ein

  • 2 britische Soldaten irrtümlich von alliierten Einheiten getötet
  • Irakische Bevölkerung vor Verlassen der Wohnbezirke gewarnt

Dass das "chirurgische" Bombardement von Bagdad nicht ganz so funktioniert, wie geplant, musste nun das US-Militär einräumen. "Es kommt zu Fehlern.", sagte am Dienstag Luftwaffengeneral Victor Renuart im Hauptquartier der Alliierten in Katar. Auch das so genannte "Friendly Fire", Angriffe auf die eigenen Reihen, macht der US-britischen Koalition zu schaffen: Zwei britische Soldaten sind etwa am Montagabend in der Nähe der südirakischen Stadt Basra irrtümlich von alliierten Soldaten getötet worden. Dies teilte das Verteidigungs- ministerium in London am Dienstag mit.

Die beiden Besatzungsmitglieder eines Kampfpanzers seien während eines Gefechts mit irakischen Verbänden von einem anderen britischen Panzer beschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in London am Dienstag mit. Die getöteten Soldaten seien Mitglieder der Panzereinheit Queen's Royal Lancers gewesen. Das Verteidigungsministerium bedauerte den Vorfall.

US-Kampfjet beschießt eigene Stellungen
Ein amerikanisches Kampfflugzeug vom Typ F-16 hat zuvor irrtümlich eine eigene Raketenabwehrstellung angegriffen. Die Patriot-Stellung sei beschossen worden, weil das Flugzeug es für eine irakische Flugabwehr-Stellung gehalten habe, meldete der US-Nachrichtensender CNN am Dienstag unter Berufung auf US-Militärangaben in Kuwait. Bei dem Vorfall wurde nach diesen Angaben niemand verletzt.

Der Zwischenfall reiht sich in eine wachsende Anzahl von so genannten "Friendly Fire"-Vorfällen, die unterdessen die Frage nach Koordinations- und Kommunikationskapazitäten zwischen den verschiedenen Truppenteilen der Alliierten im Irak aufwerfen. Es war bereits der zweite derartige Zwischenfall, bei dem das Patriot-System nicht in der Lage war, zwischen gegnerischen Zielen und eigenen Flugzeugen zu unterscheiden. Am Samstag hatte eine Patriot-Stellung ein britisches Tornado-Flugzeug abgeschossen. Dabei kamen die beiden Besatzungsmitglieder ums Leben.

Der Irak hat unterdessen nach Angaben aus kuwaitischen Militärkreisen eine Rakete offenbar in Richtung der von den USA und Kuwait genutzten Ali-el-Salem-Luftwaffenbasis abgefeuert. Eine Patriot-Rakete habe das Geschoss zerstört. "Wir haben die Patriot aufsteigen sehen und dann gab es eine schwere Explosion am Himmel", sagte ein kuwaitischer Militärvertreter. Während des Raketenangriffs gegen 14.00 Uhr MEZ hätten die Sirenen in Kuwait-Stadt geheult. Es werde jetzt geprüft, ob eine US- oder kuwaitisch besetzte Patriot-Batterie die Rakete abgeschossen hat.

US-Militär warnt Bevölkerung: "Bleibt in den Häusern"
An die irakische Bevölkerung gewandt erklärte der General, dass sich das Kampfgebiet jetzt über das gesamte Land erstrecke. "Wir haben Kräfte in allen Regionen des Landes." Wer versuche, vor den Gefahren im Auto zu fliehen, könne nicht sicher sein. "Es ist viel sicherer für sie, in ihren Häusern zu bleiben", sagte Renuart.

Renuart sagte, es sei schwer zu unterscheiden für die alliierten Truppen, ob es sich dabei um Flüchtlinge oder irreguläre Kämpfer handle. In den vergangenen Tagen hätten zunehmend Kämpfer der paramilitärischen Truppe "Fedajin Saddam" in Zivilkleidung die alliierten Truppen angegriffen. Renuart bezeichnete dies als eine "terroristische" Art der Kriegführung. Nach irakischen Angaben wurden bisher mehr als 200 Zivilpersonen getötet.

25.3.2003 16:41