Dienstag, 25. März 2003

Irakische Truppen setzen verwirrende Guerillataktik ein

  • Misstrauen der US-Truppen gegenüber Bevölkerung wächst
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Wenn amerikanische und britische Truppen durch den Wüstensand preschen, stehen sie immer wieder vor einem klassischen Problem des Guerillakriegs: Wo steht der Feind? Auch in der Nähe von Kerbela, rund 80 Kilometer südlich von Bagdad, tauchen plötzlich Angreifer in Zivilkleidung auf, die ebenso plötzlich wieder in einem Dorf untertauchen. Wenn ein Lastwagen auf einem Feld steht, könnte dieser einem friedlichen Bauern gehören - oder eine Mörserbatterie unter der Plane verbergen.

Solche Guerillataktiken führten auch zu der bisher für die Amerikaner verlustreichsten Schlacht: Vor der Stadt Nassiriyah näherten sich irakische Soldaten einer US-Einheit - offenbar in der Absicht, sich zu ergeben. Doch auf einmal zogen sie die Waffen und eröffneten das Feuer. Neun US-Soldaten kamen ums Leben, mehrere andere wurden gefangen genommen.

"Die Al Quds sind Verrückte"
Amerikanische Offiziere machen für einige dieser Attacken die Al-Quds-Brigade verantwortlich. Diese paramilitärische Truppe wurde gegründet, um die Palästinenser im Kampf um Jerusalem zu unterstützen (Al Quds ist der arabische Name von Jerusalem). In den vergangenen Jahren hat diese Miliztruppe großen Zulauf gefunden.

"Die Al Quds sind überall in dieser Gegend", sagt der Kommandant des 4. Bataillons des 64. Panzerregiments, Oberstleutnant Philip DeCamp, seinen Offizieren. "Die Al Quds sind Verrückte. Sie besetzen Wohnhäuser und werfen die Leute raus." DeCamp berichtet, wie vorrückende Panzer in einem Geschäftsviertel plötzlich attackiert wurden. Als die Panzer ein paar Hundert Meter weiter rollten, wurden sie auf einmal von Frauen und Kindern umgeben, die aus den Häusern herauskamen und die US-Soldaten bestaunten. "Das ist schon schwer zu erkennen, wer freundlich gesinnt ist und wer es nicht ist", sagt DeCamp, der schon im ersten Golfkrieg eine Panzereinheit befehligt, den jüngeren Soldaten.

Zu wenig aggressiv?
Stabsunteroffizier Bryce Ivings, Artillerieschütze im 3. Bataillon des 7. Infanterieregiments, vermutet, dass sich einige Soldaten zu sehr an ihre Rolle in der Kosovo-Truppe KFOR gewöhnt haben könnten. Dort hätten sie als Angehörige der Friedenstruppe wie Polizisten gehandelt. Aber im Irak müssten sie aggressiver sein, sagt Ivings.

Vorsicht regiert
Inzwischen ist das Misstrauen gewachsen. Als sich zwei Iraker in Zivilkleidung mit einer weißen Fahne nähern, stürzen sich gleich zehn Marine-Infanteristen auf sie und durchsuchen sie. "Wir haben ein ganzes Kommando ausgeschickt, um mit diesen beiden Leuten umzugehen", sagt der 21-jährige Stabsgefreite Clint Bagley. "Wir müssen einfach vorsichtiger sein." Den Zivilpersonen wird befohlen, sich auf die Straße zu legen. Die Soldaten überzeugen sich, dass sie keine Bedrohung darstellen und lassen sie dann weiterziehen. Wenn sie zwar eine weiße Fahne getragen, aber auch ein Gewehr gehalten hätten, hätten wir geschossen, sagt Bagley. "Das sind die ROE." Diese Abkürzung bezeichnet die "rules of engagement", die Gefechtsregeln.

Misstrauen wächst
Als Marine-Infanteristen auf der Straße nach Bagdad einige Iraker in einem Auto antreffen, werden diese befragt und dann an den Straßenrand gestoßen. Außerdem schlitzen die Soldaten die Autoreifen auf. "Es war toll, als wir am Anfang ins Land kamen und die Leute uns zulächelten", sagt Oberstleutnant Michael Belcher. "Jetzt fragt man sich, was hinter dem Lächeln steckt und was vielleicht hinter der Menschengruppe lauert."

25.3.2003 10:24