Montag, 24. März 2003

Irak-Krieg: Ablehnung der Österreicher "vertieft sich"

  • Dauer des Krieges ein "entscheidender Faktor"

Der Ausbruch des Irak-Krieges dürfte die ablehnende Haltung der Österreicher zum Krieg noch verstärkt haben. Diese Ansicht vertreten die Chefs der meisten heimischen Meinungsforschungsinstitute. Für Imma Palme vom Ifes-Institut gewinnt damit auch die Neutralität wieder mehr Zustimmung. Peter Ulram von Fessel-GfK erklärte auf Anfrage der APA, es gebe derzeit keine gesicherten Daten. Entscheidend für die weitere Beurteilung des Geschehens werde die Dauer des Krieges sein.

"Die Ablehnung dieses Krieges geht tief in die Gesellschaft, sie ist kein Randphänomen und unabhängig von Parteipräferenzen", sagte Palme gegenüber der APA. Daher werde sie durch die Entwicklung der vergangenen Tage höchstens noch verfestigt und vertieft. Ein Indikator für die grundsätzliche Ablehnung der meisten Österreicher Kriegen gegenüber sei die hohe Wertschätzung, welche die Neutralität quasi als "Chiffre" genieße. Diese Wertschätzung sei derzeit sicher noch gestiegen.

Für Fritz Karmasin vom Gallup-Institut ist der Anteil der Kriegsgegner, der vor Ausbruch bei drei Viertel der Bevölkerung gelegen sei, kaum noch steigerbar: "Da wird sich nicht mehr viel verändert haben, aber rückläufig ist es sicher nicht." Die Bilder vom Krieg würden die Zahl der Befürworter des Irak-Krieges keinesfalls erhöhen.

Das Linzer "market"-Institut erhob, dass sich 60 Prozent der Österreicher von den Kriegsereignissen persönlich betroffen fühlen, eine grundsätzliche Betroffenheit für Österreich konstatieren etwa 80 Prozent. Sollte der Krieg längere Zeit dauern und die Berichterstattung kritischer werden, würden diese Werte weiter ansteigen, meinte "market"-Chef Werner Beutelmeyer.

Auch für Ulram ist die Frage nach der Dauer und Intensität der Auseinandersetzungen von großer Bedeutung. "Bisher hat man ja offenbar, anders als im ersten Golfkrieg, auf großflächige Bombardements eher verzichtet", meinte er. Sollte das so bleiben und der Krieg nicht allzu lange dauern, dann sei es durchaus möglich, dass sich die öffentliche Meinung ändere. Würde sich der Krieg hingegen in die Länge ziehen und viele Opfer fordern, dann sei ein Ansteigen der Ablehnung zu erwarten.

Die grundsätzliche Haltung der Bundesregierung, die sich heraushalten wolle, entspreche jedenfalls der Position der meisten Österreicher, sagte Ulram. Vermittlungsversuche etwa zwischen Großbritannien auf der einen und Frankreich, Deutschland und Russland auf der anderen Seite würden "unweigerlich zu einem diplomatischen Fiasko führen". Zudem würde man das Image Österreichs bei den Beitrittsländern mit einer derartigen Aktion "ruinieren", da sich diese fast zur Gänze auf die Seite der USA gestellt hätten.

24.3.2003 12:04