Montag, 24. März 2003

Irak-Krieg begann früher als angegeben

  • Noch vor Ablauf des Ultimatums an Saddam
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Der Irak-Krieg hat nach Recherchen des Watergate-Enthüllers Bob Woodward früher begonnen als der TV-Öffentlichkeit bewusst ist und die US-Regierung eingestanden hat. Noch vor Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein seien 31 Teams von Elitesoldaten mit geheimen Aufträgen in den Irak eingedrungen. Als Donnerstagnacht um 2.00 Uhr MEZ das Ultimatum für Saddam Hussein ablief, schrieb der Pulitzer-Preisträger in der "Washington Post" vom Sonntag, hatte der Krieg schon seit sieben Stunden begonnen.

Bereits am späten Mittwoch seien die Spezialeinheiten - insgesamt rund 300 Mann - unter dem Schutz der Dunkelheit über die Grenzen in den Irak eingedrungen, berichtet "Spiegel-Online" unter Berufung auf die "Post". Ihre Missionen laut Woodward: Im Westen und Süden des Irak Kommunikationsanlagen des irakischen Regimes zu zerstören, Beobachtungsposten auszuschalten - und den Einsatz von Scud-Raketen sowie chemischen und biologischen Kampfstoffen zu verhindern. Zugleich hätten die Truppen verhindern sollen, dass der Irak seine Ölfelder kurz nach Beginn einer größeren US-Offensive zerstört.

Amerikas wohl bekanntester Zeitungsjournalist, der jüngst als Autor des Buches "Bush at War" erneut Aufsehen erregte, beruft sich in seinem Bericht auf mehrere gut informierte Quellen in der US-Regierung und im Militär. Seine Recherchen legen nahe, dass es sich bei Bushs Ultimatum zum Teil um eine Inszenierung handelte, um das irakische Regime zu verwirren.

Zugleich wurde so die Öffentlichkeit offenbar über den wahren Beginn des Krieges hinweggetäuscht. Woodward schreibt, George W. Bush sei am Montag, als er Saddam Hussein das Ultimatum setzte, in seiner Wortwahl wegen des geplanten Einsatzes der Eliteeinheiten bewusst vage geblieben. Als der US-Präsident sich am frühen Donnerstag MEZ, nach Ablauf des Ultimatums, an die Fernsehnation wandte, erwähnte er nur den Schlag gegen Saddam Hussein, nicht aber den Einsatz der Spezialtruppen.

Nach Woodwards Recherchen war der Einsatz der Elitesoldaten Teil des Kriegsplanes namens "OPLAN 1003 V", der in einer ersten Version im September 2002 von General Tommy Franks und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dem US-Präsidenten vorgelegt worden sei. Erst im Februar sei der Plan dergestalt ergänzt worden, dass er auch den Einsatz der Spezialteams vorsah. Mit dieser Idee konfrontiert, sei Bush zunächst skeptisch gewesen, da er den Kriegsbeginn offiziell und öffentlich kundgeben wollte.

24.3.2003 07:29