Sonntag, 30. März 2003

Familie bestätigt: Mira Markovic in Russland

  • "Sollen sie mich doch zur Fahndung ausschreiben"
  • Markovic wird im Zusammenhang mit Stambolic-Mord gesucht

Die Familie des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic hat Berichte über eine Ausreise seiner Frau Mirjana Markovic nach Russland bestätigt. Das sei aber keine Flucht aus Furcht vor möglicher Strafverfolgung gewesen, sagte die Tochter Maria Milosevic der Belgrader Zeitung "Publika" (Sonntag- Ausgabe). "Sie ist in Moskau, um dort unseren Marko (ihren Sohn) zu sehen", erklärte sie. Eine russische Bestätigung dieser Berichte gab es zunächst nicht.

Die Tochter bestätigte Angaben des serbischen Innenministeriums, wonach Markovic Serbien bereits am 23. Februar verlassen habe. "Mama reist oft, und bei ihr steht stets ein gepackter Koffer in der Tür", sagte Maria Milosevic. Die Polizei sucht nach Markovic, der Vorsitzenden der Jugoslawischen Linken (JUL), weil sie im Zuge der Fahndung nach den Mördern des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic auch neue Spuren im Falle des ermordeten serbischen Spitzenpolitikers Ivan Stambolic entdeckt hat. Markovic soll eine der Verantwortlichen für die Entführung und Ermordung Stambolic' im Jahre 2000 sein.

Maria Milosevic sagte, sie habe ihrer Mutter telefonisch mitgeteilt, dass die serbischen Behörden einen internationalen Haftbefehl erlassen wollten, falls sie nicht nach Belgrad zurückkehre. Darauf habe Markovic geantwortet: "Ich weiß nicht. Davon verstehe ich nichts. Sollen sie mich doch zur Fahndung ausschreiben." Markovic halte sich oft monatelang in Moskau auf und reise von dort auch nach Den Haag, sagte die Tochter. In den Niederlanden muss sich Slobodan Milosevic vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal verantworten.

Langjährige Vorsitzende der Vereinigten Linken
Markovic war langjährige Vorsitzende der Vereinigten Linken in Jugoslawien und galt als besonders einflussreich. Nach Angaben des Innenministeriums wurden Markovics Anwälte darüber informiert, dass ein internationaler Haftbefehl erlassen werde, wenn sie nicht unverzüglich zurückkehre. Milosevics Bruder Borislav, der in Moskau lebt, wollte sich nicht zum Aufenthaltsort seiner Schwägerin äußern. Borislav Milosevic war früher jugoslawischer Botschafter in Russland.

Stambolic-Leiche letzte Woche gefunden
Die Leiche des im August 2000 entführten und seitdem vermissten Stambolic war am Donnerstag im Zuge der Ermittlungen im Mordfall Djindjic in einer Kalkgrube entdeckt worden. Stambolic wurde mit zwei Schüssen ermordet. Für seinen Tod sollen ebenfalls die "Roten Barette", die Spezialeinheit der serbischen Polizei verantwortlich sein, die auch hinter Djindjics Tod vermutet werden und vergangene Woche verboten wurde.

Stambolic förderte Milosevics Karriere
Stambolic war von 1986 bis 1987 jugoslawischer Präsident und förderte lange Milosevics Karriere in der damaligen Kommunistischen Partei. Später entmachtet Milosevic seinen Förderer und übernahm von ihm sowohl die Parteiführung und das Präsidentenamt. Nach seinem Rückzug aus der Politik wurde er Mitte 2000 als möglicher Gegenkandidat Milosevics bei der Präsidentenwahl gehandelt.

Chef von Milosevic-Partei verhaftet
Zudem teilte das Innenministerium mit, dass der Chef von Milosevics Sozialistischer Partei, Bogoljub Bjelica, verhaftet wurde. Auch er wurde im Zuge der Massenverhaftungen nach der Ermordung von Djindjic festgenommen. Mittlerweile wurden annähernd 2.000 Personen im Zusammenhang mit dem Mord festgenommen und verhört. Zwei Hauptverdächtige wurden am Donnerstag von der Polizei erschossen, als sie sich ihrer Festnahme widersetzten.

30.3.2003 13:58