Jet-Entführung in Athen unblutig beendet: Motiv "Liebe"
- Ministerpräsident überredete Hijacker per Handy zur Aufgabe
- Auch ein Österreicher unter den Passagieren

"Liebe" als Motiv: Die am 29. März in Athen unblutig zu Ende gegangene Entführung eines Passagierflugzeugs hat eine unglückliche Lovestory als Hintergrund. Die schwangere Frau des türkischen Luftpiraten wohnt angeblich in Berlin. Der 20-jährige Özgür hatte den Airbus der Turkish Airlines mit mehr als 200 Menschen an Bord auf einem Inlandsflug von Istanbul nach Ankara in seine Gewalt gebracht und den Piloten zur Kursänderung gezwungen.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Entführer per Handy zur Aufgabe überredet. An Bord hatte sich auch ein Österreicher befunden, der schließlich nach Ankara weiter reiste.
"Wollte zu schwangeren Frau"
Den griechischen Behörden in Athen, wo das Flugzeug vor dem Weiterflug nach Deutschland aufgetankt werden sollte, sagte der Luftpirat nach seiner Festnahme, er habe zu seiner schwangeren Frau wollen. Dafür habe er aber kein Visum erhalten. Türkische Zeitungen berichteten am Sonntag, Özgür habe seine in Deutschland lebende Frau Fatma vor sechs Monaten in der Türkei geheiratet. An der Ausreise habe ihn auch gehindert, dass er keinen Militärdienst geleistet habe.
"Ich werde den Piloten schon hinkriegen, mich mitzunehmen", soll Özgür nach der Rückkehr seiner Frau nach Berlin bereits vor zwei Monaten gesagt haben. Die Eltern Özgürs hatten sich den Berichten zufolge getrennt, als er fünf Jahre alt war. Sein Vater sei nach Deutschland gegangen. Die Mutter, mit der er lange Zeit in Ankara gelebt hatte, habe schließlich wieder geheiratet.
Flugzeug mit Rasierklinge entführt
Dem Piloten des Airbus A310 hatte der 20-Jährige eine Rasierklinge an den Hals gedrückt und gedroht, das Flugzeug in die Luft zu sprengen. Der angebliche Plastiksprengstoff entpuppte sich später als Kerzenwachs. Türkische Medien kritisierten die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen an Bord der Maschine. Die Zeitung "Hürriyet" sprach von einer "unglaublichen Nachlässigkeit", weil die Tür zum Cockpit vorschriftswidrig nicht verschlossen gewesen sei.
Die 194 Passagiere hatte der Entführer drei Stunden nach der Landung in Athen freigelassen. Unter den Fluggästen waren auch neun Deutsche - vier Männer, drei Frauen und zwei Kinder -, laut Außenamt in Wien ein Österreicher und vier Schweizer. Der Luftpirat wurde am Samstag
zunächst dem Staatsanwalt von Athen vorgeführt. Über einen Auslieferungsantrag der Türkei werde der griechische Justizminister zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, berichtete der staatliche griechische Rundfunk.
Keine Panik an Bord
An Bord des Flugzeuges sei zu keiner Zeit Panik ausgebrochen, berichteten zahlreiche Passagiere, die sich aus dem gekaperten Flugzeug über Handys mit ihren Angehörigen und Fernsehsendern unterhielten. Zeitweilig war im Hintergrund der Gespräche sogar gelöstes Lachen zu hören. "Den Luftpiraten hat so gut wie keiner zu sehen bekommen", sagte einer der Fluggäste am Samstag bei der Ankunft der Passagiere am ursprünglichen Zielort Ankara. "Alles hat sich im Cockpit abgespielt."
Nachdem die entführte Maschine den griechischen Luftraum erreicht hatte, waren zwei griechische Kampfflugzeuge aufgestiegen und hatten den Airbus zum Athener Flughafen eskortiert. Der Airbus wurde auf eine abgelegene Landebahn geleitet und sofort von Sicherheitskräften umstellt. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte über das Handy eines türkischen Abgeordneten an Bord mit dem Entführer verhandelt und ihn zur Freilassung der Passagiere bewegt. Das Hilfsangebot griechischer Fluglotsen ans Cockpit sei mit den Worten beschieden worden: "Nein. Wir führen Verhandlungen. Die Verhandlungen führt unser Ministerpräsident. Stören Sie uns nicht."
Familiendrama in St. Pölten15:23
Bluttat: Bub ist totÄrzte kämpften erfolglos: Achtjähriger Bub nach Kopfschuss gestorben
