Montag, 24. März 2003

Erster SARS-Fall in Italien bestätigt

  • Mutierter Erkältungsvirus könnte SARS auslösen
  • SARS-Verdacht in Gmunden: Entwarnung (Kasten rechts!)

Aus Angst vor der hoch ansteckenden Lungenkrankheit SARS sind in Singapur mehr als 700 Menschen unter Quarantäne gestellt worden. Miitlerweile wurde auch in Frankreich und zuletzt auch in Italien je ein erster SARS-Fall bestätigt worden.

In Italien ist am Dienstag der erste Fall der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS bestätigt worden. Der Patient werde in einem Krankenhaus in Mailand behandelt, teilte Gesundheitsminister Girolamo Sirchia mit. Sein Zustand sei stabil, hieß es.

In Italien waren zuletzt mehrere Menschen, die sich in Südostasien aufgehalten hatten, mit Verdacht auf SARS behandelt worden. Die Befürchtungen hatten sich jedoch bis zu diesem Fall jetzt nicht bestätigt.

Mutierter Virus
Die vor allem in Asien grassierende Lungenkrankheit SARS könnte eine genetisch veränderte, neue Variante des gewöhnlichen Erkältungsvirus sein. Bei Menschen, die sich mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) infiziert haben, seien Spuren des Coronavirus nachgewiesen worden, teilte das US-Zentrum für Seuchenkontrolle (CDC) am Montag in Atlanta mit.

"Es gibt deutliche Hinweise, dass der Coronavirus der Träger ist", sagte die Leiterin der US-Behörde, Julie Gerberding. Allerdings seien noch weitere Tests notwendig, fügt sie hinzu. Eine Erkältung kann durch verschiedene Viren ausgelöst werden. In zehn bis 20 Prozent der Erkältungen und anderer Atemwegserkrankungen ist jedoch eine der drei bisher bekannten Varianten des Coronavirus verantwortlich. Doch der Virus, der bisher weltweit 17 Menschenleben forderte und unter dem derzeit mehr als 450 Menschen leiden, scheint eine andere genetische Struktur aufzuweisen und ist möglicherweise ein vierter Stamm des Erregers.

Krankheitserreger gefunden
Am Wochenende hatte ein Virologe der Weltgesundheitsorganisation WHO bekannt gegeben, den verursachenden Krankheitsträger gefunden zu haben. Allerdings wisse man noch nicht, zu welcher Familie er gehöre.

Singapur: Massenquarantäne
Unterdessen wird in Asien eine weitere Ausbreitung der Krankheit befürchtet. In Japan wurden zwei weitere SARS-Fälle bekannt. Damit sind dort insgesamt vier Menschen an SARS erkrankt. Die Betroffenen seien inzwischen genesen oder befänden sich auf dem Wege der Besserung.

In Singapur wurden rund 740 Einwohner unter Quarantäne gestellt. Ferner wurden am Dienstag eine Tagesklinik und ein Teil einer Schule geschlossen, um SARS vorzubeugen. Das Gesundheitsministerium des Stadtstaats mit vier Millionen Einwohnern berief sich bei seiner Quarantäneverordnung auf das Gesetz zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Dieses ist seit der Unabhängigkeit Singapurs im Jahre 1965 noch nie angewandt worden. Das Ausgehverbot für die Betroffenen soll zunächst für zehn Tage gelten. Bei einem Verstoß droht ein Gerichtsverfahren.

Frankreich: SARS-Verdacht
Auch in Frankreich ist der erste Fall von SARS bestätigt worden. Wie die Pariser Gesundheitsbehörde (DGS) mitteilte, wurde die Krankheit bei einem Krankenpfleger diagnostiziert, der im französischen Krankenhaus der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi gearbeitet hatte und am Sonntag nach Frankreich ausgereist war.

Die Krankheit ist bisher vor allem in China, Vietnam und Kanada aufgetreten. In Hongkong starben bisher zehn Menschen an SARS, 260 sind daran erkrankt. Manchen der besonders schwer erkrankten Menschen werden derzeit Antikörper gespritzt, die von Menschen stammen, die SARS überlebt haben.

24.3.2003 06:55